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17. Januar 2020

Rennrodeltalent will olympische Geschichte schreiben

Große Ehre und große Erwartungen: Rennrodlerin Jessica Degenhardt vom RRC Altenberg startet am Freitagvormittag zum ersten Mal bei den Olympischen Jugendwinterspielen 2020 in der Schweiz. Die Nachwuchstitelkämpfe finden hauptsächlich in Lausanne statt. In der Natureisbahn in St. Moritz kämpfen unter anderem die Rennrodler um Medaillen. Die 17-jährige Jessica Degenhardt hatte sich wie zwölf weitere Talente aus Sachsen mit starken Leistungen für die sogenannten Youth Olympic Games (Y.O.G) qualifiziert. Die Dresdnerin ist eines der größten Talente in ihrem Sport. Sie war deutsche Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier in St. Moritz und zählt zu den Mitfavoritinnen in den Rennen im heutigen Einzel, am Sonnabend im Doppelsitzer mit Vanessa Schneider vom RRV Sonneberg/Schalkau sowie bei einem Start auch im Team-Staffelwettbewerb am 20. Januar. Im Interview mit dem Kreissportbund Sächsische Schweiz-Osterzgebirge spricht die Altenberger Gymnasiastin über Ziele bei den Jugendwinterspielen und mehr.

 

Jessica, wie war das Gefühl, Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier zu sein?

Es war auf jeden Fall eine sehr große Ehre für mich. Aus ganz Deutschland wurden 90 Athleten für die Y.O.G. nominiert. Und hier die deutsche Fahne tragen dürfen, ist ein sehr schönes Gefühl gewesen.

 

Wie groß war Deine Erleichterung, als Du Dich trotz der schwierigen Ausgangslage mit einer verletzungsbedingten Pause nach einem Trainingssturz und einem weiteren Sturz im Wettkampf doch noch klar für die Y.O.G. qualifiziert hast?

Mir ist natürlich eine ziemliche Last von den Schultern gefallen. Auf die Y.O.G arbeite ich schon einige Jahre hin. Es war auch nicht selbstverständlich für mich, dass meine Trainer mir trotz wegenn der Verletzung fehlender Nominierungsrennen noch die Chance auf die Y.O.G. gegeben haben und mich auch in meiner Genesung bestmöglich unterstützt haben.

 

Wie ist die Stimmung bei den Jugendwinterspielen, wie sind Umfeld, Quartier und Bedingungen in St. Moritz?

Die Stimmung ist super, die Bahn steht sehr gut. Das olympische Dorf ist klein, aber bequem. Ich kann mich überhaupt nicht beschweren. Nur stressig ist es ein wenig. Ich habe drei Trainingsläufe pro Tag, Athletiktraining, Schlittenmaterial ist täglich ein Thema, und es gibt  Schulhausaufgaben, die ich erledigen muss, wenn ich unterwegs bin. Ab und zu habe ich aber auch etwas Freizeit.

 

Was möchtest Du bei den Y.O.G. erreichen?
Im Doppel möchte ich mit Vanessa Schneider Geschichte schreiben und bei der Wettkampfpremiere als erstes Damendoppel überhaupt olympisches Gold holen. Auch im Einzel ist die Goldmedaille etwas, für das es sich auf jeden Fall zu kämpfen lohnt.

 

Welchen Stellenwert haben die Jugendwinterspiele für Dich?

Olympische Spiele haben, sportlich gesehen, immer einen großen Stellenwert. Von klein auf wollte ich schon zu Olympia. Dieses Ziel – wenn auch nur im etwas kleinerem Rahmen –erreicht zu haben, macht mich sehr glücklich.

 

Nach den Y.O.G finden aber auch noch weitere sportliche Saisonhöhepunkte statt. Welche Ziele hast Du bei den Junioren-Weltmeisterschaften, die ab 21. Feburar in Oberhof stattfinden, und im Junioren-Weltcup bzw. im Weltcup der Altersklasse Jugend-A?

Bei der Junioren-WM auf meiner Lieblingsbahn in Oberhof möchte ich gerne mal den „Bann“ der Bronzemedaille brechen und dieses Mal ein bis zwei Treppchen weiter oben auf dem Podest stehen. Im Junioren-Weltcup fehlt mir leider ein Rennen im Gesamtweltcup. Deswegen heißt es für mich, alles aus sich herausholen und den zweiten Platz von der Saison 2018/19 zu verteidigen. Der Jugend-A-Weltcup, für den ich noch startberechtigt war, ist für mich wichtig gewesen, um für die Y.O.G. nominiert werden zu können. Glücklicherweise lief der Wettbewerb für mich im Einzel so gut, dass mir nach vier von sechs Rennen die Gesamtführung kaum noch zu nehmen ist. Im Doppel sind Vanessa und ich weiterhin dabei und haben vor dem finalen Rennen in Winterberg einen hauchdünnen Vorsprung vor dem Duo Luisa Romanenko und Pauline Patz aus Thüringen. Wir lassen uns überraschen.

 

Das Gespräch führte Stephan Klingbeil (skl)/ Foto: privat