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20. Juli 2020

Großer Erfolg nach großen Strapazen

 

Nach acht Tagen, 16 Stunden und 46 Minuten hatte es Kai-Uwe Lehnung vom Sebnitzer Radfahrerverein 1897 geschafft. Bei seiner vierten Teilnahme seit 2016 und nach einem fünften und einem zweiten Platz hat der Ottendorfer Hobbysportler nun das „1000 Miles Adventure“ durch Tschechien und die Slowakei gewonnen.

Bei der zwischen sieben bis 15 Tagen dauernden zehnten Auflage des Wettkampfs für Extremsportler gelang ihm demnach Historisches. Der 52-Jährige war mit dem Mountainbike der erste Deutsche, der dieses Rennen, das zu schwersten MTB Ultramarathon-Wettbewerben Europas zählt, für sich entscheiden konnte. Der zweitplatzierte Tscheche David Pacholik kam sechs Stunden und zwölf Minuten nach ihm ins Ziel.

„Das Wetter war teilweise sehr schlecht und die Strecke noch schwerer als früher, aber ich bin sehr froh und glücklich, dass es jetzt geklappt hat“, sagte Lehnung bei seiner Rückkehr nach Sachsen.  Geehrt werden sollen die Champions im September bei einer großen Abschlussparty in Tschechien.

Eintausend Meilen legte Lehnung bis zu den Morgenstunden des  14. Juli auf dem Sattel zurück. Nach dem Start in Hranice im äußersten Westen Tschechiens ging es für seine Mitstreiter und ihn über den Erzgebirgskamm, mehrere weitere Gebirge und teils schwieriges Terrain bis zum Finish in Nová Sedlica an der ukrainischen Grenze in der Slowakei, insgesamt 1.668 Kilometer.

Dabei musste der  Zahntechniker teils 1.500 Meter hohe Berge erklimmen, einen Fluss durchqueren und mit zusätzlichem Zeitdruck acht Bärenschutzzonen, die man nur zu bestimmten Tageszeiten befahren durfte, passieren.

Das Rennen ist laut einem Beitrag auf der Homepage der Organisatoren offen für Mountainbiker, Läufer, Geher, Rollerfahrer und „alle die, die sich auf der Strecke mit Verwendung der eigenen Kraft bewegen“. Festgelegt seien nur der Start, das Ziel und die Strecke. Wann und wo sie schlafen, wann sie fahren, was sie essen, bleibe ihnen überlassen. Eine gezielte Unterstützung sei indes verboten.

Den zu bewältigenden Kurs bekamen die rund 150 Starter vor Beginn des Rennens Anfang Juli auf ihre Navigationsgeräte gespielt. Drei größere Kontrollposten mussten unterwegs erreicht werden. Wer nach 500 Meilen aufhörte, erhielt noch eine Urkunde.

Diese Chance haben laut Lehnung sehr viele Teilnehmer genutzt. Denn, wer danach hätte aufgeben müssen, wäre mit komplett leeren Händen nach Hause gefahren. So hätten am Ende nur noch wenige Moutainbiker nach den mehrtätigen Anstrengungen  und 1.000 Meilen das Ziel erreicht.

Das gelegentliche Training mit dem Rad und Teilnahmen an Wettkämpfen wie dem Ski-Marathon seien definitiv gut für die Kondition gewesen. Entscheidend für den jetzigen Erfolg war ihm zufolge aber der Kopf. Bei Wind und Wetter, Orkanböen und Gewitter durchzuhalten und die Zähne zusammenzubeißen, sei eine Herausforderung, die nicht nur körperlich, sondern auch mental anstrengend sei.

„Eigentlich wollte ich hier nie wieder teilnehmen“, erklärt der Vater von Grün-Weiß Pirnas 15-jähriger Biathlonhoffnung Johanna Lehnung. 2017 sei er erschöpft ausgestiegen, ein Jahr später holte der Hobbyradsportler aber den zweiten Platz.

Anlässlich des zehnten Jubiläums im jetzigen Sommer sollte eigentlich die doppelte Distanz über 2.000 Meilen zurückgelegt werden – hin und zurück über rund 3.300 Kilometer.  „Das hat mich gereizt“, erklärt der Ottendorfer. „Das Rennen ist sehr schwer, eine echte Herausforderung – aber die gewaltige Natur, das stundenlange Fahren ganz allein: Die gesamte Atmosphäre ist einzigartig.“

Auch mit „nur“ 1000 Meilen. Denn aufgrund der Coronavirus-Pandemie mit ihren vielen Einschränkungen blieb es bei der Tour über die übliche Distanz. Weniger anstrengend war es keinesfalls. Und lange Zeit war das Rennen sehr spannend.

„In der ersten Nacht bin ich durchgefahren, insgesamt 32 Stunden am Stück. Nach drei Stunden Schlaf ging es weiter“, sagt Lehnung. Er habe wie die anderen Teilnehmer auch SMS-Nachrichten vom Veranstalter bekommen, außerdem sei die Internetverbindung in den Orten unterwegs sei sehr gut gewesen.  „So war man ständig aktuell informiert über die Zwischenstände.“

Tagelang habe ihm ein rund 30 Jahre jüngerer Tscheche im Nacken gesessen. Als der aber verletzt aussteigen musste, habe Lehnung gewusst, dass er das Rennen gewinnen könne: „Am Ende bin ich volles Risiko gefahren.“ Der Lohn für ihn im Ziel: der ersehnte erste Platz.

(skl/Fotos: privat)