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4. Oktober 2010

Giuseppe Atzeni gewinnt Steherpreis in Heidenau

LA9W9555_1.JPGWieder einmal bewahrheitete sich der Ausspruch, dass Mühen belohnt werden. Erfahren haben es die vielen fleißigen Helfer, die das Herbstrennen auf der Heidenauer Bahn vorbereitet und durchgeführt haben, denn für ihre fleißige Arbeit wurden sie mit dem passenden Wetter belohnt. Nachdem es tagelang ununterbrochen geregnet hatte und die Menschen vielerorts mit dem Hochwasser zu kämpfen hatten, beschied uns Petrus am Samstag ordentliches Rennwetter.

Bestens gelaunt und voller Erwartung fanden sich zum Herbstpreis trotz frischen Windes 600 Zuschauer ein. Das Sportmobil unseres Kreissportbundes stand wie immer den Kindern für Beschäftigungen zur Verfügung und für das leibliche Wohl der Zuschauer war in bewährter Manier durch die Mitarbeiter des Sportheims Heidenau bestens gesorgt.

Die Veranstalter vom SSV Heidenau hatten ein A-Rennen und ein B-Rennen in das Programm aufgenommen. Das A-Rennen war mit dem amtierenden Europameister Giuseppe Atzeni und dem EM-Dritten Peter Jörg bestens besetzt. Die Heidenauer Philosophie, im B-Rennen Fahrern und Schrittmachern Gelegenheit zu geben sich an die „Großen“ heranzuarbeiten und Erfahrungen zu sammeln, erwies sich wieder einmal als guter Griff. Denn an Spannung fehlte es auch in den B-Läufen nicht.

Nach der wie immer stimmungsvollen Fahrer- und Schrittmachervorstellung gab Wettkampfleiter Dr. Thomas Scheibe aus Leipzig den Start für den 1. A-Lauf frei.

Von Anfang an setzte sich der Lokalmatador René Heinze gut in Szene und übernahm auch zeitweise die Spitze. Die Favoriten, namentlich der Europameister Giuseppe Atzeni, beobachteten das Treiben aus sicherer Entfernung vom Ende des Feldes aus. Fernow, Heinze, Breuer und Schwerdt lieferten sich andauernde Zweikämpfe. Als es dann in die Schlussphase des Laufes bei etwa Kilometer 10 ging, zeigte sich die ganze Klasse des Europameisters und des EM-Dritten. Mit fulminanten Antritten setzten sie zur Verfolgung an und ordneten sich schnell ganz vorn ein. Nur Fernow vermochte mitzuhalten, die anderen mussten sich nach einigen Versuchen gegenzuhalten geschlagen geben. An der Spitze gab es begeisternde Führungswechsel zwischen Atzeni, Fernow und Jörg. Letztendlich setzte sich Giuseppe Atzeni knapp vor Peter Jörg und Florian Fernow durch. Der Heidenauer René Heinze behauptete sich auf dem 4. Platz vor Christoph Breuer und Christoph Schwerdt.

In den Pausen hatte der Veranstalter vorgesehen, dem Publikum verschiedene Disziplinen des Radsports auf der Bahn nahezubringen. Zuerst bestritten die Nachwuchsfahrer des SSV Heidenau ein Rennen über die unbekannte Distanz.

Im folgenden 1. Lauf des B-Rennens kristallisierten sich schnell die Favoriten heraus. Danilo Kupfernagel aus Gera führte lange Zeit souverän das Feld an, konnte jedoch den Wendelsteiner Sebastian Körber nicht abschütteln. Der blieb hartnäckig immer in Reichweite.

Die Entscheidung fiel nachdem Sebastian Körber mit einem energischen Zwischenspurt an die Spitze ging und sie bis zum Ende nicht mehr abgab. Jörg Bauer wurde 3., Andreas Hildebrandt 4. und Patrick Wolfrum mit 2 Runden Rückstand 5. Jan Puschmann musste gar 5 Runden kassieren.

Die folgende Pause gehörte den Nachwuchssprintern des SSV Heidenau und der Sportshowgruppe des KSB Dresden. Die Radsportler demonstrierten mit dem Sprint eine weitere Bahndisziplin. Die Sportshowgruppe Zeigte mit großen und kleinen Sportlern Kunstradsport und verblüffende Übungen mit dem Seil unter der fachkundigen Moderation von Uwe Becker.

Der 2. A-Lauf versprach Spannung. Wie würde sich der Europameister verhalten, um seine Führung auszubauen? Versuchen die Mitstreiter ihm die Führung zu entreißen?

Nach dem Start zunächst wieder das gleiche Bild. Atzeni als Letzter die Ruhe selbst, Jörg davor nicht minder gelassen. Die anderen 4 Fahrer versuchten nach einigen Runden Anlauf ihre Positionen zu verbessern. Es entwickelten sich zunächst nur sporadisch Zweikämpfe, die nicht von langer Dauer waren. Atzeni fuhr zeitweise mit fast einer Runde Rückstand. Florian Fernow hatte sich an die Spitze gesetzt. Nach der Hälfte der Distanz, es ging über 20 km, tauchte urplötzlich Peter Jörg und Giuseppe Atzeni in der Spitzengruppe auf. Damit war der Fehdehandschuh geworfen und die wilde Hatz begann. Atzeni und Jörg wollten an Fernow vorbei, doch er hielt gegen. Wieder und wieder erfolgten Angriffe, die zum Laufende hin immer heftiger wurden. Schaffte es einer von beiden an Fernow vorbeizukommen, konterte der sofort und eroberte die Spitze zurück. Der Berliner siegte vor Peter Jörg und dem Europameister. Damit hatten alle Drei Kontrahenten 4 Punkte auf ihrem Konto und Florian Fernow führte das Rennen an, da er im längeren Lauf gewonnen hatte.

Als nächsten Wettkampf demonstrierten die SSV-Radsportler in der Pause ein Ausscheidungsfahren.

Am Start waren Jungen und Mädchen. Besonders erfreut sind die Verantwortlichen des SSV darüber, dass sich zunehmend auch Mädchen für den Radsport interessieren.

Der 2. B-Lauf  stand wieder im Zeichen der beiden Führenden. Kupfernagel, als Vorletzter gestartet, überholte schnell alle vor ihm gestarteten und schleppte Körber mit. Die beiden legten ein so hohes Tempo vor, dass es keinem anderen Fahrer gelang, mit ihnen in der gleichen Runde zu bleiben. Am Ende des Rennens musste sich Danilo Kupfernagel erneut Sebastian Körber beugen, obwohl er lange die Angriffe des Wendelsteiners abgewehrt hatte.

Der Leipziger Jörg Bauer wurde mit 2 Runden Rückstand 3.,  der Bielefelder Andreas Hildebrandt mit 3 Runden Rückstand 4. Patrick Wolfrum kam wie sein Kontrahent Jan Puschmann mit 5 Runden Rückstand ein, platzierte sich aber noch vor ihm auf dem 5. Rang.

Die Gesamtwertung gewann damit Sebastian Körber hinter Frank Schwarz vor Danilo Kupfernagel hinter Wilfried Kluge und Jörg Bauer hinter René Kluge.

In der letzten Pause demonstrierten noch einmal die Sportler der Sportshowgruppe des KSB Dresden bei Kampfsporteinlagen und Akrobatik ihr Können und ernteten viel Applaus von den 600 Zuschauern.

Angekündigt hatte sich der Weltmeister und Olympiateilnehmer Carsten Bergemann zu einem Rundenrekordversuch. Leider erkrankte er kurzfristig und musste schweren Herzens absagen.

In die Bresche sprangen die beiden Heidenauer Kai Luge und Max Niederlag, der im Nationalmannschaftstrikot antrat. Sie versuchte eine neue Bestzeit zu erreichen. Allerdings war es relativ kühl, keine guten Voraussetzungen für einen Rekordversuch. So kamen bei beiden hervorragende Zeiten heraus, aber zu einer Bestzeit reichte es nicht.

Mittlerweile hatte sich der Himmel bewölkt und das trieb Sorgenfalten auf die Stirn des WA- Chefs  Dr. Thomas Scheibe. Die Jury entschied kurzerhand den 3. A-Lauf um 20 Runden zu verkürzen, in der Hoffnung, dass dadurch dem Regen möglicherweise ein Schnippchen geschlagen wird und eine sportliche Entscheidung herbeigeführt werden kann.

Diese Entscheidung hatte natürlich Auswirkungen auf das Renngeschehen. Falls Regen einsetzt und es dadurch zum Abbruch des Rennens kommt, sind die Platzierungen im Moment des Abbruches gültig. So geschehen bei den Europameisterschaften 2008, als der Leipziger  Timo Scholz im Moment des Rennabbruches nach dem Sturz eines Finalteilnehmers in Führung lag und Europameister wurde.

Von Beginn an musst also volles Tempo gefahren werden. Atzeni begann als erster das Tempo zu forcieren und fuhr nach vorn. Ihm folgte postwendend Florian Fernow. Peter Jörg ließ sich ein wenig länger Zeit, tauchte dann aber auch in der Spitze auf. 37 Runden vor dem Ende war Fernow an der Spitze, gefolgt von Atzeni und Jörg. Beide attackierten Fernow abwechselnd, doch bis zur 17. Runde wehrte Fernow alle Versuche ab. 13 Runden vor dem Ende wehrt Fernow wieder einen Versuch von Atzeni ab,  Jörg ist 3. In der 11. und 10. Runde startete Atzeni erneut Überholmanöver, aber Fernow wehrt auch die ab, Jörg fährt dicht hinter ihnen. In der 8. Runde erneut ein Angriff von Atzeni, Fernow wehrt ab, doch urplötzlich kommt Peter Jörg von oben und ist auf gleicher Höhe, doch Fernow wehrt beide ab. 6 Runden vor Schluss Atzeni greift wieder an, Fernow wehrt ab, Jörg ist dicht dahinter. In der 5. Runde greift Jörg wieder oben an, alle 3 fahren gleichauf, Fernow wehrt sie wieder ab. Fernow, Atzeni und Jörg fahren nebeneinander und kämpfen mit jedem Tritt um die Spitze. Noch 1 Runde, plötzlich ein Aufschrei der Zuschauer! Das Hinterrad der Stehermaschine von René Aebi blockiert. Seine großen Erfahrungen als Schrittmacher verhindern einen Sturz, aber die Chancen von Peter Jörg auf den Sieg sind dahin. Er trudelt als 3. ins Ziel.

An der Spitze kämpften inzwischen auf den allerletzten Metern Atzeni und Fernow um Millimeter. Mit einer Winzigkeit von 4 cm entschied Giuseppe Atzeni das Rennen für sich. Kein Zuschauer saß mehr auf seinem Stuhl, alle standen und waren begeistert von dem spannenden Finale. Es gab für die Sportler einen donnernden Applaus.

Bei der Siegerehrung wurde das Gespann Peter Jörg und René Aebi für den 3. Platz und Florian Fernow und Schrittmacher Wilfried Kluge für den 2. Platz ausgezeichnet. Den Sieg errang der Europameister Giuseppe Atzeni mit seinem Schrittmacher André Dippel. Die Sieger und Platzierten des B- und A-Rennens freuten sich über die essbaren Medaillen, ein Präsent von Herrn Schürer von der Schokoladenmanufaktur Heidenau.

Die Winterpause wurde mit einem an Spannung kaum zu überbietendem Rennen mit hervorragenden Leistungen, besonders des jungen Berliners Florian Fernow, eingeleitet. Die Organisatoren bedanken sich bei allen Radsportfans und freuen sich auf das erste Rennen am 30.04.2011. An diesem Tage erfolgt auch die offizielle Einweihung des neuen Radsportgebäudes mit einem Tag der offenen Tür, an dem alle Interessierten das Gebäude besichtigen können. (SSV Heidenau)