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24. Januar 2020

Geisinger WM-Curlerin hofft auf Play-offs

Trainingslager statt Titelkämpfe: Curlerin Klara-Hermine Fomm vom 1. SCV Geising muss in diesem Jahr auf die Deutschen Meisterschaften verzichten. Die im Team der Füssenerin Nationalmannschafts-Skip Daniela Jentsch startende Dresdnerin hatte 2019 noch Silber geholt. Damals unterlagen die EM-Dritten von 2018 der Altmeisterin Andrea Schöpp und ihrer Mannschaft vom SC Riessersee. In diesem Jahr wollte Klara-Hermine Fomm (im Foto, rechts) mit der Spielgemeinschaft Füssen/Geising den Titel holen.

Doch die Meisterschaften wurden abgesagt, es hatten sich nicht genug Teilnehmer angemeldet.
Auch weitere Starts in der World-Curling-Tour-Turnierserie (WCT) stehen aktuell bis zur im März stattfindenden WM in Kanada nicht mehr an.
Normalerweise tourt die aus dem Altenberger Ortsteil Löwenhain stammende 20-Jährige mit ihrem Team wie schon in der Vorsaison um den Globus. Wochenende für Wochenende nehmen sie an internationalen Weltklasseturnieren der WCT teil. Doch in Kanada, wo Curling sehr populär und im Gegensatz zu Deutschland nicht nur Randsportart ist, finden nationale Meisterschaften statt. Das habe eben Vorrang. Weitere hochklassige internationale WCT-Turniere sind somit bis zum Abflug zur WM in Prince George am 7.März nicht vorgesehen. Stattdessen bricht Klara-Hermine Fomm nun ins Trainingslager in Richtung Bayern auf.
Zuletzt konnten sich ihr über durchaus gute Ergebnisse freuen. Nach zwei Bronzemedaillen bei hochklassigen Wettkämpfen zum Saison-Auftakt in Kanada hatte sich das bayerisch-sächsische Quartett noch mehrmals für Viertel- und Halbfinals qualifiziert.
Im vorigen Dezember zogen sie bei Turnieren in China im Kampf um den Halbfinaleinzug jeweils zweimal hauchdünn den Kürzeren. Weitere Play-off-Teilnahmen folgten.

Ein erster besonderer Höhepunkt in dieser Saison war für die Maschinenbau-Studentin aus Dresden und ihre Teamkolleginnen die Europameisterschaften im vergangenen November in Helsingborg. Gold ging an die Gastgeber aus Schweden das mit seinem 5:4-Finalsieg gegen Schottland den EM-Titel verteidigte.
Deutschland mit Klara-Hermine Fomm konnte nicht an den Sensationserfolg von 2018 in Estland anknüpfen, als sie in ihrer ersten Saison in der Nationalmannschaft gleich EM-Bronze mit Skip Daniela Jentsch gewann. Nach fünf Siegen in neun Spielen reichte es dieses Mal nicht für den Halbfinaleinzug. Die Deutschen belegten Rang fünf.
„Wir sind zufrieden mit der Platzierung. Uns war bewusst, dass es schwer wird, nochmals eine Medaille zu gewinnen. Wir hatten auch einen der schwersten Spielpläne mit drei Brocken hintereinander, gegen die Schweiz, Russland und Schweden, und das gleich zum Auftakt“, so die junge Sächsin. „2018 waren wir die Underdogs, das war unser Vorteil. Dieses Mal gehörten wir zu den Gejagten, gegen die jeder unbedingt einen Sieg einfahren wollte. Durch unseren ziemlich straffen Spielplan, war es natürlich auch schwer in den ‚Spielflow‘ zu kommen.“
Nach dem Jahreswechsel haben sie weitere gute Ergebnisse in der WCT abgeliefert. Im schottischen Perth wurde das Viertelfinale nur knapp verpasst. In Bern hatten das Team etwas Pech, wurde Neunter, sicherte sich aber noch nach abschließenden Siegen den ersten Preis in der dortigen Consolation. Hier starteten alle Teams, die die Play-offs verpasst hatten.
Am vergangenen Sonnabend schafften es die Deutschen Vizemeisterinnen beim WCT-Wettstreit in Glasgow erneut bis ins Viertelfinale. Dort verloren sie aber gegen das schwedische Team von Skip Isabella Wrånå nach einer sehr engen Partie mit 6:7. Die ehemalige Junioren-Weltmeisterin aus Skandinavien schaffte es dann bis ins Finale und musste sich den Silbermedaillengewinnern von den Olympischen Spielen 2018 aus Südkorea geschlagen geben. „Das war auf jeden Fall ein Ergebnis von uns, mit dem man arbeiten kann“, sagt Klara-Hermine Fomm.

Sie bereitet sich jetzt intensiv auf den Saisonhöhepunkt vor, auf die WM vom 14. Bis 22. März in Prince George in der kanadischen Provinz British Columbia. Ein Platz unter den besten sechs Mannschaften der Welt wäre ein hervorragendes Ergebnis, so die 20-jähirge Studentin, die im Anschluss an ihr Abitur im vergangenen Sommer vom Osterzgebirge nach Dresden gezogen war.
2019 erreichte sie bei ihrer WM-Premiere im Team Jentsch den neunten Platz. Viel hatte nicht gefehlt und die Curlerin vom 1. SCV Geising hätte bei dem Turnier im dänischen Silkeborg sogar noch die Chance auf den Halbfinaleinzug gehabt. Siegen gegen Lettland, Japan, die USA und den Gastgeber standen sechs teils sehr knappen Niederlagen gegenüber. Das Team von Skip Daniela Jentsch aus Füssen hatte so die Play-offs der besten sechs Mannschaften der Welt bereits im Blick.
Doch dann setzte es diese bittere 4:10-Niederlage im vorletzten Spiel gegen die am Ende schlechter platzierten Finninnen. Die hier vergebenen Punkte fehlten am Ende wohl zum Weiterkommen. Da nützte es der deutschen Auswahl dann nicht einmal mehr, dass sie zum Abschluss den späteren Weltmeister aus der Schweiz überraschend mit 10:8 bezwangen. Und wer weiß, vielleicht gelingt dem Talent aus Sachsen mit dem Team Jentsch wieder so ein Coup.

(skl/Foto: privat)