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13. August 2020

Eine Heimat für viele Sportarten – der SSV Heidenau wird 30

Der Sport- und Spielverein Heidenau e.V. wird an diesem Sonnabend 30 Jahre. Der Mehrspartenverein kann seit Jahren auf stabile Mitgliederzahlen verweisen, zwischen 1.000 und 1.200. Auch in Coronavirus-Zeiten habe es bei dem größten Heidenauer Sportklub keine gravierenden Schwierigkeiten gegeben. Aktuell ist der SSV der fünftgrößte Sportverein im gesamten Landkreis. Er bietet 16 Sportarten an und kann auf drei Jahrzehnte viele Top-Ereignisse und etliche Erfolge seiner Athleten zurückblicken.

Die ehemaligen Bahnrad-Weltmeister Carsten Bergemann und U23-Bahnrad-Europameister Max Niederlag, zum Beispiel. Oder die beiden noch immer aktiven SSV-Sportlerinnen Kristina Hanke und Brigitte Bonadt, die mit zahlreichen Titeln zu den weltbesten Senioren-Leichtathletinnen  in ihren Altersklassen zählen. Mehrere Sambo-Sportler des Vereins gehören deutschlandweit zu den Besten.

Bei den Mannschaften sind die Floorball-Frauen des SSV sehr erfolgreich gewesen. Unter der Nationalmannschaftskapitänin Franziska Kuhlmann feierte das talentierte Team, das einst von Dresden nach Heidenau gewechselt war, 2013 und 2014 jeweils die Deutsche Kleinfeld-Meisterschaft. Und Heidenaus Ü-45-Faustballmänner zählen noch immer zur deutschen Elite. Die Mannschaft war über vier Jahre in der Halle ungeschlagen und errang vier Deutsche Meistertitel in Serie sowie Bronze bei der Klub-WM 2018. Darüber hinaus gab es noch viele weitere Medaillen und starke Leistungen von Sportlerinnen und Sportlern des SSV, bei dem gerade in der Leichtathletik wieder einige vielversprechende Talente trainieren.

Im Handball kann der SSV auch mehrere Erfolge aufweisen. Sensationell war insbesondere das Abschneiden der C-Jugend im Mai 2017 bei den Mitteldeutschen Meisterschaften. Das Heidenauer Team holte überraschend die Silbermedaille.

 

Eng verbunden ist die Klubgeschichte mit dem geschäftsführenden Vorstand und seinem Vorsitzenden. Seit der Vereinsgründung am 15. August 1990 ist der Heidenauer Frank Müller an der Spitze des SSV. Zusammen mit seiner Frau und Schatzmeisterin Kirsten Müller sowie Vize-Vereinschef Bernd Heinze führt er den Verein seit Anfang – und alles im Ehrenamt. Dies kommt eher selten vor.

„Wir können und zu 100 Prozent aufeinander verlassen und die erforderliche Qualität leisten für den Verein“, sagt Müller, der mit Heinze die E- bis C-Handballjugend beim SSV trainiert. Es gebe viel zu tun, vor allem als Ehrenamtler. „Als Rentner bin ich eigentlich immer unterwegs, und es gibt immer was zu tun, ich frage mich manchmal wie ich das noch früher geschafft habe“, schmunzelt Müller, der derzeit in Brandenburg im Sommerurlaub weilt. Er habe noch immer Spaß an den Aufgaben.

 

Der frühere Sportlehrer, der am kommenden Montag 73 Jahre wird, gründete die Verein zusammen weiteren Handballern und Leichtathleten nach einer Sitzung in der Turnhalle der Heidenauer Bruno-Gleißberg-Schule. Sie waren unzufrieden mit ihrem bisherigen Verein und wollten damals neue Wege gehen.

Müller war einst Fußballspieler bei der BSG Motor Heidenau, spielte zunächst als Torwart, später in der Abwehr und schließlich im Sturm. Dass das Gros der finanziellen Mittel bei der BSG meist an die Sektion Fußball ging und andere Sportarten über die Jahre mit weniger Unterstützung  auskommen mussten, habe ihn geärgert.

Auch war er stets darauf bedacht, seinen Schülern Werte zu vermitteln wie Fairness und der respektvolle Umgang miteinander. Auf dem dortigen Fußballplatz sei das damals aber zu selten zum Tragen gekommen. Daher entschied sich Müller zusammen mit seiner Ehefrau – ebenfalls Sportlehrerin – eine neue Sportart auszuprobieren. Die Entscheidung fiel auf Handball, wo es überdies die Möglichkeit gab, dass männlicher und weiblicher Nachwuchs Punktspiele bestreiten konnten.

Als sich 1990 schließlich die Chance bot, einen neuen Verein mit ganz neuen Strukturen zu gründen, haben die 33 früheren BSGler den SSV aus der Taufe gehoben. Der Name Sport- und Spielverein Heidenau geht auf eine Idee von Sportfreund Heiko Vogt zurück, so Müller.

Der Verein wuchs stetig. Ende 1990 waren es schon 160 Mitglieder. Gerätturner, Volleyballer, Badmintonspieler kamen dazu. Durch die Gründung der Sektion Radsport vor 20 Jahren wurde praktisch das Beton-Oval im Sportforum gerettet. Weitere neue Abteilungen wurden etabliert. Zuletzt wechselten die Faustballer 2015 geschlossen vom Heidenauer SV zu dem größeren Mehrspartenverein in der Nachbarschaft.

Der SSV nahm mit den zusätzlichen Trainingskapazitäten, die es dann durch die Turnhalle des Pestalozzi-Gymnasiums gab, Dresdner Floorballerinnen auf. Er gab zudem Aussiedlern die Möglichkeit, Sambo im Verein zu trainieren und neue Maßstäbe in der Organisation von Wettbewerben in dieser Kampfsportart zu setzen. Auch Deutsche Meisterschaften wurden in Heidenau veranstaltet.

Eine große Sause zum 30-jährigen Jubiläum wird es indes nicht geben. Anders als bei den Feierlichkeiten 2010 kann die erneut geplante Dampfertour mit zahlreichen Gästen in diesem Jahr nicht stattfinden. Wegen der Coronavirus-Entwicklungen musste alles abgesagt werden.

Aufgrund der Unwägbarkeiten sieht der Verein außerdem auch von der Austragung des renommierten Herbstpreis der Steher samt Derny-Championat auf dem Beton-Oval im Sportforum ab. Das Kinderabendrennen soll aber am 20. September trotzdem stattfinden, in etwas größerem Umfang als sonst.

(skl/Foto: SSV Heidenau)