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21. November 2019

Startschuss nach personellem Umbruch

 

Der Flieger nach Österreich hob nicht lange nach der Saisoneröffnungspressekonferenz des Bob- und Schlittenverbnads für Deutschland (BSD) in Dresden ab. Geduldig beantwortete Rennrodel-Bundestrainer Norbert Loch am Dienstagnachmittag noch die Fragen der versammelten Spottjournalisten bei dem Treffen in der BMW-Niederlassung. Dann ging es los für ihn, seinen Sohn und Weltmeister Felix Loch vom RC Berchtesgaden, für Vize-Weltmeisterin Julia Taubitz vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal und das Weltmeister-Duo Toni Eggert/Sascha Benecken (Ilsenburg/Suhl).

Die deutschen Rennrodler, auch die, die nicht bei dem Treffen in Dresden dabei waren, seien gut gewappnet für die neue Weltcup-Saison. Diese startet an diesem Freitag in Innsbruck-Igls mit der Qualifikation im Nationencup. So der Bundestrainer. Sie haben so viel getestet wie seit langem nicht, sagen alle unisono.

Für die Rennrodler Felix Loch und den Olympia-Dritten von Pyeongchang Johannes Ludwig vom WSV Oberhof sowie die beiden Duos Eggert/Benecken stand obendrein vor Kurzem ein extra Trainingslager auf der WM-Bahn von 2020 im russischen Sotschi an, und alle Beteiligten zeigten sich sehr zufrieden. „Aus logistischen und finanziellen Gründen habe ich nur die Top-Medaillenkandidaten dorthin mitgenommen, die Entscheidung dazu war schon im Frühjahr gefallen“, erklärt Norbert Loch. „Die Bahn dort war in sehr gutem Zustand, die Stimmung im Team war klasse.“ Und die Ergebnisse seien vielversprechend gewesen.

Die weiteren deutschen Weltcupstarter waren nach den Selektionen im September und Oktober im lettischen Sigulda und beim Trainingslager in Lillehammer, um sich den letzten Schliff für den Wettkampfwinter zu holen. Dieser beginnt nun in Innsbruck-Igls

Um 9.30 Uhr starten beim dortigen Nationencup die Rennläufe zur Qualifikation für die Weltcuprennen am Wochenende. Die jeweils zwölf schnellsten Frauen und Doppelsitzer sowie die 15 schnellsten Männer der vergangenen Saison sind bereits für den Weltcupauftakt nominiert. Sie fahren am Freitag ab 14.30 Uhr das Training der Gesetzten-Gruppe.

Beim Nationencup in Österreich startet auch Jessica Tiebel vom RRC Altenberg. Die vierfache Juniorenweltmeisterin, die am Sonntag 21. Jahre wird, war am Dienstag bereits unterwegs in die Alpenrepublik und rauschte tags darauf bereits beim Training durch den Eiskanal, in dem die Olympischen Spiele 1976 stattfanden. Sie steht vor ihrem dritten Weltcup, und vor ihrer Premiere als feste Starterin im deutschen Kader für die wichtigste internationale Rennserie.

Nachdem Natalie Geisenberger (Miesbach) und Dajana Eitberger (Ilmenau) beide schwanger sind und pausieren, und Tatjana Hüfner (Bad Blankenburg) ihre sportliche Karriere beendet hatte, sind neben Julia Taubitz die Talente Cheyenne Rosenthal, Junioren-Weltmeisterin 2019, Anna Berreiter, Gesamtdritte des Junioren-Weltcups 2018/19, und eben die Geisingerin für den Weltcup nominiert worden. „Die Aufregung ist bei mir noch nicht so präsent“, sagt sie. „Aber ich denke, das kommt noch, je näher das Wochenende rückt.“

Der Chefbundestrainer hält viel von der RRC-Athletin.  „Im vorigen Jahr hat sie gesehen, dass die anderen vier Weltcupstarterinnen von uns einfach noch besser waren, und ich hatte keinen Grund, eine aus dem Quartett auszutauschen, die Leistungen der anderen waren einfach zu gut“, erklärt Loch. „Jetzt bekommt Jessica aber ihre Chance und ich sehe sie auf einem guten Weg.“

Von den neuen deutschen Weltcupstarterinnen hinter Julia Taubitz rechne er bei ihr am ehesten aus, dass sie künftig an ihre Erfolge im Juniorenbereich anknüpfen kann. „Sie hat schon Weltcupluft geschnuppert, hat sich auch im athletischen Bereich weiterentwickelt. Jessica weiß aber auch, dass sie nicht gleich vorneweg fährt, sie ist da recht nüchtern.“

Während es vor allem für den weiblichen Nachwuchs in diesem Winter darum geht, sich in der ersten Rennrodelliga zu etablieren, zählt U23-Weltmeisterin Julia Taubitz zu den heißen Medaillenkandidaten des BSD bei der WM 2020 und auch im Gesamt-Weltcup.  Nach einer Trainingsverletzung an der Schulter ist die 23-Jährige aus Annaberg-Buchholz wieder fit. „Es hält alles, ich habe keinerlei Schmerzen“, sagt sie.

War die junge Sächsin vor zwei Jahren noch das Küken im deutschen Frauenteam ist sie nun plötzlich die „Oma“. „Das ging sehr schnell“, schmunzelt die neue deutsche Nummer eins im Frauenkader. Mit der neuen Rolle komme sie mittlerweile aber gut zurecht. „Anfangs, beim Lehrgang im Sommer, war es schon komisch. Ich hatte plötzlich niemanden mehr, an dem ich mich orientieren konnte, ich hatte ja praktisch mit den anderen deutschen Top-Rennrodlerinnen die gesamte Weltspitze immer vor der Nase“, erklärt Julia Taubitz. Nun wisse sie noch überhaupt nicht, wo sie stehe im Vergleich. „Wir verstehen uns aber alle richtig gut“, sagt Julia Taubitz.

Ihre sportlichen Ansprüche sind nach ihren Erfolge in der Vorsaison „natürlich gestiegen.“ Sie wisse aber auch, dass es Auf und Abs geben wieder, sie nicht alles gewinnen könne. Die 23-Jährige will aber  auf jeden Fall eine Medaille holen bei der WM in Sotschi, mit der Bahn habe sie bereits gute Erfahrungen gemacht. „Die Farbe der Medaille ist mir eigentlich fast egal“, verrät sie. „Und ein weiteres Saisonziel für mich ist auf jeden Fall wieder ein Pokal im Gesamtweltcup.“ Nun freue sie sich aber, dass es endlich los geht. (skl/Fotos: skl)

 

Der deutsche Weltcup-Kader 2019/20:

Damen

Julia Taubitz (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal)

Jessica Tiebel (RRC Altenberg)

Cheyenne Rosenthal (BSC Winterberg)

Anna Berreiter (RC Berchtesgaden)

Herren
Felix Loch (RC Berchtesgaden)

Johannes Ludwig (BRC Oberhof)

Max Langenhan (BRC 05 Friedrichroda)

Sebastian Bley (RT Suhl)

Moritz Bollmann (RRV Sonneberg/Schalkau)

Doppelsitzer

Toni Eggert / Sascha Benecken (BRC Ilsenburg/RT Suhl)

Tobias Wendl / Tobias Arlt (RC Berchtesgaden/WSV Königssee)

Robin Geueke / David Gamm (BSC Winterberg)