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10. Oktober 2019

Die Heim-WM kann kommen

Das Eis ist serviert, der Countdown läuft. In vier Monaten und sechs Tagen beginnen die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften in Altenberg. Vom 17. Februar bis zum 1. März 2020 kämpfen die besten Kufensportler der Welt im ENSO Eiskanal um die Medaillen.

Mit dabei sind auch die Lokalmatadoren vom BSC Sachsen Oberbärenburg, Doppel-Olympiasieger und Titelverteidiger Francesco Friedrich, Vize-Olympiasieger Nico Walther und Vize-Weltmeisterin Stephanie Schneider. Das Trio stellte sich am Donnerstag an der WM-Bahn im Kohlgrund den versammelten Pressevertretern zum Gespräch anlässlich des Saisonauftakts, ehe später für sie die ersten Testfahrten auf dem Altenberger Eis stattfanden.

„Die Vorbereitung über den Sommer lief solide“, sagte die Neu-Dresdnerin Stephanie Schneider. Der Rücken mache ihr derzeit keine Probleme, sie fühlt sich fit. Anders sieht es bei ihren beiden Anschieberinnen aus. Lisette Thöne vom ESC Erfurt fällt verletzt noch rund fünf Wochen aus. Und weil ihre Stamm-Anschieberin Ann-Christin Strack aus Gießen gesundheitlich angeschlagen war, habe Stephanie Schneider nicht bei den Deutschen Anschubmeisterschaften am vorigen Sonnabend in Oberhof teilnehmen können.

In Altenberg hofft die 29-Jährige auf eine Medaille, am besten die goldene. Darauf hoffen auch ihre beiden Vereinskollegen. Sie sind Kumpels abseits der Bahn, aber Rivalen im Eiskanal. Während der Pirnaer Doppel-Champion Friedrich gesetzt ist für das deutsche Weltcup- und WM-Team und die Zeit bis zum Wettkampfauftakt Ende November in Park City für Materialtests nutzen will, müssen sich Schneider und auch Walther erst einmal qualifizieren.

Bei den Ausscheidungsrennen im November in Altenberg und am Königssee wollen sie aber nicht nur vorne mitfahren.  „Erst einmal habe ich die Selektionen im Blick, danach können wir über die Heim-WM sprechen, auf die ich mich natürlich ganz besonders freue“, sagt der in Altenberg aufgewachsene Ex-Rennrodler Nico Walther. „Und es wäre schön, mit vier Siegen in den vier Selektionsrennen in den Weltcup zu gehen. Das ist unser Ziel.“

Das sechste Rekord-Gold im Zweierbob in Folge zu holen, ist indes das Hauptziel von Francesco Friedrich bei der WM 2020. Die Erwartungshaltung ist groß. Der Druck sei da. „Aber, wenn wir fit und athletisch topp drauf und super vorbereitet sind und auch das Material stimmt, können wir relativ entspannt in den Wettkampf gehen“, erklärt der mehrfache Weltmeister. „Denn die anderen müssen uns dann auch erst einmal schlagen.“ Die Vorfreude auf die WM auf der Heimbahn steigt.

Mit bei dem Saisonauftakttreffen am Donnerstag waren auch Sponsoren, Verbandsfunktionäre sowie Vertreter der Stadt Altenberg und Landrat Michael Geisler. „Es ist eine große Ehre, dass der Weltverband IBSF die Weltmeisterschaften nach Sachsen vergeben hat. Ich freue mich heute schon auf ein Wiedersehen mit vielen Athletinnen und Athleten“, sagte Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten. „Denn seit 1991 gehört Altenberg zur Familie aller Kufensportlerinnen und Kufensportler und es gibt unzählige Freundschaften, die sich in diesen 30 Jahren gebildet haben.“

In 19 Wochen findet die Eröffnungsfeier statt. Athleten und Teams aus mehr als 25 Nationen sowie tausende sportbegeisterte Besucher werden dazu im Osterzgebirge erwartet. In den zwei Wochen sind im ENSO-Eiskanal, der als eine der anspruchsvollsten Kunsteisbahnen der Welt gilt, sechs WM-Titel zu vergeben: im Zweierbob Frauen, Zweierbob Männer, Skeleton Männer, Skeleton Frauen, Skeleton Mixed Team Event und im Viererbob. Abgesehen vom Team-Event müssen die Athleten jeweils vier Läufe, die verteilt auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden, schnellstmöglich ins Ziel bringen.

Die Wettkampfstätte war – ausgenommen von Juniorenwettkämpfen – zum letzten Mal 2012 Ausrichter einer WM. Damals fuhren die weltbesten Rennrodler in Altenberg um die Titel. Laut Jens Morgenstern, dem neuen Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Wintersport Altenberg (Osterzgebirge) GmbH, ist der ENSO Eiskanal bereit für die zweitlängste Saison in der fast 37-jährigen Bahngeschichte und den absoluten Höhepunkt für die Bob- und Skeleton-Sportler in diesem Winter.

Für nahezu perfekte Bedingungen auf der Bahn sorgen Eismeister Ralf Mende und sein Team. Bis vor kurzem wurden zudem an und auf dem ENSO Eiskanal die wichtigen Baumaßnahmen abgeschlossen. So ist beispielsweise im Bereich Kurve 9 eine neue, terrassenförmige Fläche entstanden. „Damit bekommen die Zuschauer bei Wettkämpfen jetzt mehr Sitzmöglichkeiten und mehr Auswahl bei Speisen und Getränken“, sagt Morgenstern. Die Beleuchtung am Start wurde für Übertragungen optimiert, eine Dachkonstruktion ist erneuert worden. Ebenfalls komplett neu installiert wurden 41 Kameras entlang der Bahn, die den Kollegen in der Zeitnahme dank modernster Technik gestochen scharfe Bilder von allen Bahnabschnitten liefern. Und die Schlaglöcher auf der Zufahrt zur Wettkampfstätte sollen noch zeitnah ausgebessert werden.

Die WM und noch zahlreiche weitere Titelkämpfe der Bobfahrer, Skeletonsportler und Rennrodler in dieser Saison können also kommen. (skl/Foto: skl)