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4. Oktober 2011

Vom Herbstpreis der Steher in Heidenau

LA9W3801.JPGDie Großwetterlage war eine Woche vor dem Rennen viel versprechend. Sie hielt was zu erwarten war und brachte dem Veranstalter das allerbeste Wetter. Sonnenschein pur lockte 1000 Zuschauer auf die Radrennbahn in Heidenau. Und die erlebten Stehersport vom Feinsten.

Der Renntag sah zwei Wettbewerbe vor, ein Hauptrennen und ein B-Rennen. Die Favoriten für den Sieg im Hauptrennen waren der erfahrenen Schweizer Peter Jörg, der Deutschen Meister von 2010 Marcel Möbus aus Forst und der bestplatzierte deutsche Teilnehmer der Europameisterschaft von 2011, der Kölner Christoph Breuer. Der Nürnberger Christoph Schwerdt, 8. der Europameisterschaft von 2010, der Leipziger Ronny Freiesleben und der Geraer Danilo Kupfernagel, beide in Heidenau schon sehr erfolgreich gefahren, komplettierten das Feld.

Der SSV Heidenau arbeitet seit vielen Jahren daran, den Stehersport in Deutschland weiter zu entwickeln. Vor allem geht es den Verantwortlichen darum, Sportlern, die sich für den Stehersport entschieden haben, die Möglichkeit zu geben in Rennen Wettkampferfahrung zu sammeln. Vor allem jungen Stehern und Schrittmachern soll damit die Faszination des Stehersportes näher gebracht werden. Deshalb gab es auch bei der diesjährigen Herbstveranstaltung ein B-Rennen. Neben dem erfahrenen Andreas Hildebrandt, der seine aktive Laufbahn als Steher 2011 beendet und damit sein letztes Rennen in Heidenau fuhr, und dem Leipziger Jörg Bauer, der auf unserer Bahn schon mehrfach gefahren ist, waren sechs Neulinge am Start, vier Steher und zwei Schrittmacher. Sven Lohse aus Chemnitz und Peter Schinner aus Nürnberg waren neu im Schrittmachergeschäft. Als Steher fuhren der Chemnitzer Axel Lohse, seit zwei Jahren aktiv, und die drei Nürnberger Marcel Kuban, der junge Lasse Ibert, die beide ihr erstes Rennen fuhren, und der jungeRobertBickel, der sein 3. Steherrennen absolvierte.

Das Heidenauer Publikum sah in der Vergangenheit viele Europameister und Weltmeister in Aktion. Beim Herbstrennen fehlten die ganz großen Namen, doch Skeptiker sahen sich schnell eines Besseren belehrt. Was die Aktiven auf der Bahn boten war allerbester Stehersport, im A-Rennen und auch im B-Rennen.

Nach der stimmungsvollen Fahrer- und Schrittmachervorstellung, besonders herzlich begrüßt wurde der „Staubsauger vom Bodensee“ Helmut Baur, der wohl derzeit erfolgreichste aktive Schrittmacher Deutschlands, wurde der erste A-Lauf über 15 km vom Wettkampfrichter Wolfgang Schwab gestartet. Das Rennen war von viel Taktik geprägt. Überholmanöver wechselten mit ruhigen Phasen. Doch nach der Hälfte der Distanz ging es richtig zur Sache. Die Favoriten setzten sich an die Spitze und lieferten sich heiße Duelle. Die Zuschauer waren begeistert.

Der erfahrene Schweizer Peter Jörg setzte sich mit seinem Schrittmacher Wilfried Kluge vor Ronny Freiesleben hinter Lutz Weiß und Danilo Kupfernagel hinter Christian Dippel durch. Christoph Breuer mit René Kluge kam auf den 4. Platz, der Deutsche Meister von 2010 Marcel Möbus hinter Helmut Baur wurde 5. und Christoph Schwerdt fand nicht den richtigen Rhythmus und wurde mit seinem Schrittmacher Frank Schwarz Sechster im ersten Lauf.

In den Pausen demonstrierten die Nachwuchssportler des SSV Heidenau den Zuschauern verschiedene Radsportdisziplinen. Die 1. Pause diente der Qualifikation. Dazu wird gewöhnlich ein Zeitfahren über eine bestimmte Distanz durchgeführt, hier über eine Runde.

Der 1. B-Lauf über 15 km wurde angesichts der neuen Namen mit besonderem Interesse verfolgt, wollte man doch wissen was die jungen Wilden drauf haben. Und die ließen sich nicht lange bitten, sondern legten gleich richtig los. Es wurde von der ersten Runde an eine erbarmungslose Hatz ohne großes taktisches Geplänkel. Mit zahlreichen Überholmanövern, die häufig gekontert wurden, fuhren sich die beiden jungen NürnbergerRobertBickel und Lasse Ibert an die Spitze. Einzig Andreas Hildebrandt mit seiner großen Erfahrung konnte gegenhalten und ergriff im richtigen Moment die Initiative und gewann den 1. B-Lauf sicher. Die Siegerzeit war mehr als zwei Minuten schneller als die des A-Laufes.

In der anschließenden Pause demonstrierten die SSV-Radsportler einen Sprintwettbewerb. Der ist immer interessant für die Zuschauer und wurde mit viel Beifall bedacht.

Der 2. A-Lauf über 20 km wurde in umgekehrter Reihenfolge der Platzierung gestartet. Der führende Schweizer Peter Jörg stand auf Startplatz 6, der letztplatzierte Christoph Schwerdt auf Startplatz 1. 80 Runden lang hatten die Fahrer Zeit die Reihenfolge zu ändern. Christoph Schwerdt zeigte sich wie umgewandelt und behauptete in einem schnellen Rennen lange die Spitze. Keiner der Kontrahenten gab sich geschlagen, immer wieder drängten sie an die Spitze. Nach rasanten Positionskämpfen schoben sich in der Schlussphase bei hohem Tempo Peter Jörg, Marcel Möbus und Christoph Breuer nach vorn. Der Forster Marcel Möbus hatte in der letzten Runde die schnellsten Beine und siegte knapp vor dem sehr stark fahrenden Kölner Christoph Breuer. Den 3. Platz rettete nach beherztem Rennen der lange führende Christoph Schwerdt vor Peter Jörg. 5. wurde Danilo Kupfernagel und 6. Ronny Freiesleben.

Die anschließende Pause füllten die Nachwuchssportler des SSV mit einem Handycap-Rennen und einem Rennen über eine unbekannte Distanz. Beim Handycap-Rennen startet der langsamste der Qualifikation auf Position 1, der schnellste der Quali auf der letzten Position. Die Abstände zwischen den Sportlern wurden vom Kampfgericht festgelegt und betrugen ca. 10 m. In einer vorgegebenen Rundenzahl wird dann der Sieg ersprintet. Beim Rennen über eine unbekannte Distanz fahren die Sportler zur gleichen Zeit los, wissen aber noch nicht wie viele Runden zu fahren sind. Das Glockenzeichen zeigt die letzte Runde an, ab dort wird mit maximalem Krafteinsatz versucht, die Spitze zu erobern. Auch diese beiden Disziplinen fanden großen Anklang beim Publikum.

Beim 2. B-Lauf, ebenfalls über 20 km, ging es schon um den Gesamtsieg. Da bei Punktgleichheit die Platzierung des längsten, also letzten Laufes entscheidet musste jeder auf der Hut sein und konnte sich keine Schlappe leisten. Andreas Hildebrandt, Lasse Ibert undRobertBickel hatten noch die Chance zu gewinnen. In der Anfangsphase fuhren alle viele Runden in der Startreihenfolge, allerdings mit hohem Tempo. Doch dann begannen die Positionskämpfe, initiiert von Lasse Ibert undRobertBickel. Der erfahrene Andreas Hildebrandt hängte sich an die beiden und ging in der Endphase an die Spitze. Schon lange vorher konnten die 3 anderen nicht mehr folgen. Hildebrandt wehrte alle Angriffe in den letzten Runden unter dem großen Beifall der Zuschauer ab und gewann sicher auch den 2. Lauf vor dem jungen NürnbergerRobertBickel und Lasse Ibert. So lautet auch die Platzierung in der Gesamtwertung des B-Rennens. Die beiden jungen Fahrer haben mit ihren Leistungen den Veranstalter und die Zuschauer positiv überrascht. Der 2. B-Lauf war erneut schneller als der A-Lauf, diesmal allerdings nur um 30 Sekunden.

Die letzte Pause brachte die Revanche im Sprint und im Handycaprennen. Mit stürmischem Applaus wurden die Leistungen der jungen Sportler von den Zuschauern honoriert.

Den abschließenden 3. A-Lauf über 25 km konnten theoretisch noch fünf Fahrer gewinnen. Nur für den Nürnberger Christoph Schwerdt war der Punkterückstand schon zu groß. Die vorn gestarteten, in der Platzierung hinten liegenden, suchten ihr Heil in der Flucht. Das gelang nur begrenzt, denn bereits nach 30 Runden machten die Verfolger ernst. Peter Jörg, Marcel Möbus und Christoph Breuer zogen an ihnen vorbei und bestimmten fortan das Renngeschehen. Wer den Lauf gewann war auch Gesamtsieger. Und sie schenkten sich nichts. Die Zuschauer sahen Überholmanöver non Stopp, Gegenhalten, neu Schwung holen und häufig alle 3 Gespanne nebeneinander. Peter Jörg wehrte 10 Runden vor dem Ende zunächst die Angriffe von Marcel Möbus erfolgreich ab, doch sah er sich danach den Angriffen von Christoph Breuer ausgesetzt. Auch den konnte er abwehren, doch gab sich der Kölner noch nicht geschlagen. Er ließ sich wieder zurückfallen und holte 2 Runden vor Schluss erneut Schwung. In der letzten Runde waren auf der Gegengeraden beide noch auf gleicher Höhe, doch Christoph Breuer hatte aus der Kurve kommend den größeren Schwung und rettete sich wenige Zentimeter vor dem Schweizer Peter Jörg ins Ziel. Die Zuschauer standen längst und feuerten die Gespanne enthusiastisch an. Der Jubel beim Kölner Christoph Breuer und seiner Familie, die wie immer mit zum Rennen gereist waren,  war groß. Vater Jan Breuer war 1974 in Montreal Amateur-Weltmeister bei den Stehern geworden und ist damit der beste Ratgeber für seinen Sohn.

Bei der anschließenden Siegerehrung nahmen die Sieger traditionell die Siegeruhr, eine Spezialanfertigung von unserem Sportfreund Willi Rogner, und die Schokoladenmedaille der  Schokoladenmanufaktur von Herrn Marcus Schürer unter großem Beifall der Zuschauer entgegen.

Dann wurde es emotional auf der Heidenauer Radrennbahn. Wieder einmal beendete ein Steher seine aktive Laufbahn – Andreas Hildebrandt. Der gebürtige Rostocker hat viele Jahre die Steherszene bereichert. 20 Jahre Radsport, davon 10 Jahre Stehersport hatte er hinter sich.

Er war auf der Straße, beim Cross und auf der Bahn erfolgreich. Den heimischen Radsportfans war der sympathische Wahl-Bielefelder seit 2007 bekannt, er absolvierte seitdem sechs Rennen auf der Heidenauer Bahn.  Unter dem anerkennenden Applaus durchfuhr Andreas Hildebrandt zum Abschied das obligatorische Spalier seiner Radsportkollegen. Nach den Dankesworten von Vereinschef Frank Müller für seinen großen Beitrag zur Entwicklung des Stehersportes bekam er noch eine Siegeruhr zur Erinnerung von den Heidenauer Radsportlern überreicht. Im abschließenden Interview versprach Andreas Hildebrandt, dem Stehersport treu zu bleiben und sich weiter um die Popularisierung dieser faszinierenden Sportart mit Rat und Tat zu kümmern.

Damit ging ein begeisternder Renntag zu Ende. (SSV Heidenau)