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27. September 2011

HC Sachsen dreht noch das Spiel zum Sieg

IMG_5444.jpgEin sehr spannendes Liga 3-Spiel hatte man in der „factum-arena“ schon erwartet – was aber am heutigen Nachmittag dann zwischen den Gastgeberinnen der F1 des HC Sachsen und den aus dem Ostwestfälischen angereisten Damen der SG Knetterheide-Schötmar in der Liga 3-Begegnung des dritten Spieltags abging, das übertraf die Erwartungen noch um Einiges. Denn nach 25 Minuten hatte die „Knetterheidis“ von Coach Axel Carls mit hoher Effektivität im Konterspiel, Durchschlagskraft aus dem Rückraum und intelligent eingefädelten Treffern von den Außenpositionen gnadenlos erhebliche Schwächen in der unbeweglichen Sachsen-Defensive offengelegt und viele unforced errors im Aufbauspiel der Gastgeber zu einem komfortablen 8 Tore Vorsprung bzw. zum Zwischenstand von 8:16 genutzt.

Gewarnt war man ja auf HC Sachsen-Seite mehr als genug gewesen vor allem vor dem SG-Trio Katrin Hill, Elena Reuschel und Katja Matthäus-Kleinert. Bärbel Wessels Damen fanden aber zunächst keine Einstellung zu dem sicher vorgetragen Kombinationsspiel der „Knetterheidis“. So kam für die ca. 250 Zuschauer, die den Weg in die „factum-arena“ gefunden hatten, ein banges Deja vu-Gefühl auf – die Erinnerung an eine Situation, die man bis ins Detail unlängst schon mal erlebt hat.

Wie gegen Stemmer im Auftaktspiel der neuen Saison nämlich, legten die HCS-Damen zuächst zwar vor, verloren dann aber rasch den Faden. Wieder mussten sie erfahren, dass sich ein Gast bestens auf ihr Spiel vorbereitet hatte und der so vor allem die Sachsen-Abwehr immer wieder auf den falschen Fuß stellte oder klaffende Löcher in sie riß. Den Anfang nahm es mit einem verworfenen 7-m, den Knetterheide im umgehenden Gegenzug mit dem 3:5 beantwortete. Ab da dominierte Axel Carls Team eindeutig. Den Unterschied machte auch die Torhüterposition aus. Routinier Angelique Schwarz im SG-Tor zeigte mehrmals mit souveräner Antizipation, dass sie zu den Besten der Liga zählt. Katarzyna Wiekiera im HC Sachsen-Tor dagegen, von ihren Mitspielerinnen ohnehin fortlaufend im Stich gelassen, agierte dann auch noch ohne fortune. Bezeichend dafür, wie ein Lattentreffer von ihrem Hinterkopf zum 5:7 ins Netz abprallte. Bis zum 7:10 in der 15. Minute waren Bärbel Wessels Damen, schon mehr schlecht als recht, noch dabei, dann spielte eigentlich nur noch der Gast aus Ostwestfalen, der zwischenzeitliche Gesprächsbedarf, den Bärbel Wessel mit dem grünen Karton angemeldet hatte, konnte da nicht helfen. Mit der Einwechslung von Goalie Anne Naumann für die glücklose Katarzyna Wiekiera, rasch zunehmender „Akklimatisierung“ der heute erstmals im HC Sachsen-Dress spielberechtigten Therese Torlen und energischer Regieübernahme im HCS-Spiel durch Marta Adamkova begann sich dann das Spiel noch vor der Halbzeit zu drehen. Das natürlich auch, weil sich in das Konterspiel der SG-Damen in der Schlussphase der ersten Halbzeit Ungenauigkeiten einschlichen und mit einem mal beste Chancen verworfen oder ausgelassen wurden. Mit drei Toren am Stück waren Bärbel Wessels Damen vom 10:17 auf 13:17 heran, und das auch noch in Unterzahl.

Die zweite Halbzeit wurde dann zum Deja Vu-Erlebnis für die Damen des Gästeteams. Ähnlich wie im Auftaktspiel gegen Thüringen 2 schmolz zuerst ihr Vorsprung auf 2 Tore zusammen. Den konnten sie bis in die 47.Minute zwar noch halten, die Spielhohheit aber hatten sie schon längst vorher verloren. Der bekanntermaßen sehr extrovertiert-engagierte SG – Coach Axel Carls zeigte sich nach dem Spiel in erster Reaktion stocksauer: „Wir haben das Spiel verschenkt, statt einen Gegner, den wir voll im Griff hatten, souverän mit 10 Toren aus seiner eigenen Halle zu fegen.“ Ja, es sah fast danach aus.

Wenn Axel Carls sich zur Nachbereitung das Video ansieht, wird er aber sicher feststellen, dass sein Team eben auch deshalb das Heft aus der Hand geben musste, weil sich die HCS-Damen in der zweiten Halbzeit erheblich zu steigern verstanden. Mit Therese Torlen als „Indianer“ und viel mehr Beweglichkeit war das einfach eine andere Defensive, auf die die SG-Damen nun trafen. Und auch in der Offensive, immer wieder gelenkt und angekurbelt von einer sich zer- und ihre Mitspielerinnen mitreißenden Marta Adamkova, war die zähe Kreativblockade der ersten Halbzeit verflogen. Die schmackigen Rückraumtreffer von Melanie Baier und Therese Torlen ließen nun auch Angelique Schwarz keine Chance mehr, und mit dem offensiven Spielwitz bekamen auch Kugelblitz Petra Janeckova und Helena Binova die Räume und Lücken, in die sie torgefährlich stoßen konnten.

Mit der unbedingten Einstellung: „Wir schaffen das.“, sei man eingeschworen aus der Kabine gekommen, verriet Teamneuling Anne Zimmermann, vom SC Riesa zum HC Sachsen gewechselt, auf der Talkrunde nach dem Spiel. Mit welchem Engagement die Sachsen-Damen die zweite Halbzeit führten und wie man den „Knetterheidis“ damit schließlich den Schneid abkaufte machte eine Szene in der 53. Minute besonders deutlich. Melanie Baier donnerte einen 7m an die Latte, den Abpraller erkämpfte sich geistesgegenwärtig Marta Adamkova, die nur um den Preis eines neuerlichen

Strafwurfs gebremst werden konnte. Den verwandelte Slavka Ninkovic zum 25:23 und die Knetterheidis steckten endgültig auf. Das Tor des Tages hätte Petra Janeckova mit einem selbst initiierten Konterlauf in der 57. Minute erzielen können. Ihr ausgefinkelt verzögerter Aufsetzer überwand zwar die SG-Keeperin, strich aber auch am rechten Torpfosten vorbei. In den letzten beiden Minuten war es noch mal ein offener Schlagabtausch, mit ihrem Lauf vom 21:23 (47.) zum 28:23 (58.) hatten die HC Sachsen-Damen aber bereits die Entscheidung herbeigeführt.

Auf der Talkrunde hatte der Gästecoach dann seine erste verständliche Aufregung mit einem(zwei) kühlen Getränk(en) aus dem Hause Radeberger heruntergespült und meinte weitaus gelassener, dass in der zweiten Halbzeit Einiges schiefgelaufen sei und sein Team die Marschroute der ersten Halbzeit leider nicht durchgehalten habe. „Wir haben nicht mehr agiert, sondern nur noch reagiert, und bei der Besetzung des HC Sachsen ging dann der Schuß nach hinten los.“ HCS-Coach Bärbel Wessel sah es durchaus ähnlich. In der ersten Halbzeit habe man nicht umgesetzt, was man sich vorgenommen hatte: bewegliche Deckungsarbeit mit rechtzeitigem Heraustreten, vorne sicheres Positionsspiel und entwickelte Wurfaktionen. Daß es ausgerechnet (mit) die Unterzahlsituation kurz vor der Halbzeit war, die den Wessel-Damen mit einem Mal gehörig „Beine machte“ gehörte zu den Paradoxien dieses in seinem Verlauf nicht ganz alltäglichen Spiels. Zur neuen motivierenden Taktik will Bärbel Wessel das Unterzahlspiel aber natürlich nicht werden lassen. 

Der HC Sachsen spielte mit: Katarzyna Wiekiera, Anne Naumann (beide Tor); Helena Binova 3, Martina Wiele, Marta Adamkova 4, Therese Torlen 4, Slavka Ninkovic 7/2, Petra Janeckova 3, Anne Zimmermann 1, Melanie Baier 8/2.

Das Spiel im Zeitraffer: 0:1 (2.), 3:2 (7.), 5:6 (11.), 6:10 (15.), 8:14 (21.), 8:16 (24.), 13:17 (29:27) – 13:18 (30:22), 16:18 (36.), 18:20 (41.), 19:22 (44.), 23:23 (49.), 26:23 (55.), 29:23 (58.), 30:25 (59:45) (HC Sachsen)