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17. Dezember 2014

Neue Turngruppe ab Januar beim VSG Pirna

Grit_ReimannGrit Reimann, Vereinsvorsitzende und Trainerin im Interview (Teil 1)
Der Verein für Sport und Gesundheit Pirna e.V. existiert nun seit reichlichen eineinhalb Jahren, ist inzwischen ein sportliches Zuhause für fast 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene und kann auf ein nahezu komplettes Wettkampfjahr im Gerätturnen zurückblicken. Aus diesem Anlass haben wir ein Training der Turnerinnen in der Halle des Herder-Gymnasiums besucht und uns mit Frau Dr. Grit Reimann, Vereinsvorsitzende und Trainerin im Kürbereich zu einem Gespräch verabredet.
Heute trainieren hier die Mädchen der AK 6/7, der AK 8/9 und die KM 3-Kürgruppe. Konzentriert und ganz bei der Sache sind die Kleinen dabei, ihre Kastensprünge zu verbessern. Jeder Sprung wird mit Carolin König, ihrer Übungsleiterin ausgewertet und schon geht es wieder zurück zu einem erneuten Anlauf. Zwischendurch schielen die Zwerge auch schon mal zu den „Großen“, die derweil mit Katrin Bindig-Trübel an ihren Choreografien für die Bodenküren arbeiten. Drehungen, Sprünge, tänzerische und turnerische Elemente werden zu einer ästhetischen, harmonischen Bewegungsfolge verknüpft und auf die Dynamik und den Rhythmus der Kürmusik abgestimmt. Jede der 7 Turnerinnen im Alter von 12-15 Jahren hat eine eigene, individuelle Kürübung und die dazu passende Musik. Auch die jungen Damen sind konzentriert und aufmerksam bei der Sache. Es ist ungewöhnlich still für eine gut gefüllte Turnhalle.
Frau Reimann, bei unserem letzten Gespräch, vor genau einem Jahr an selber Stelle herrschte ein buntes Durcheinander und an Stille war nicht zu denken. Was ist passiert?

 

Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Vor einem Jahr steckten wir in den Vorbereitungen zu unserem Schauturnen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene üben dann viele Dinge, die nicht zum alltäglichen Training gehören. Da wird es bunt, aufregend und für nicht eingeweihte ziemlich durcheinander. Das ließ dann nach dem Schauturnen, das unter der Schirmherrschaft des Herrn Landrat Geisler stand, wieder nach. Die Aufregung und das Durcheinander hatten sich aber auf jeden Fall gelohnt. Die Kinder konnten zweimal vor ausverkaufter Kulisse auftreten. Mittlerweile sind wir auf normalen Trainingsbetrieb umgestiegen, sind auch in keinen Vorbereitungen für Großveranstaltungen, sondern jetzt im sogenannten Lerntraining. Neue Elemente, neue Übungen stehen auf dem Plan. Im Januar wechseln fast 50% der Kinder ihre Altersklasse und damit ihre Übungen. Dies muss alles trainiert werden. Außerdem wird das Wettkampfsystem im Kürbereich umgestellt – genug Arbeit für den Winter, denn im Frühjahr geht es in die neue Wettkampfsaison. Dafür wollen wir bestmöglich vorbereitet sein.

 

Dass auch beim Turnen die „Meister nicht vom Himmel fallen“ ist unschwer zu erkennen, wenn ich mir die Intensität des heutigen Trainings ansehe. Was aber bedeutet für Sie „normaler Trainingsbetrieb“?

 

Wir haben mittlerweile fünfzehn Trainingsgruppen, angefangen von den Jüngsten, die fünf bis sechs Jahre alt sind bis hin zu den Erwachsenen im hohen vierziger Alter. Die meisten Gruppen gibt es bei den Gerätturnern, die ein bis dreimal wöchentlich in unterschiedlichen Hallen in Pirna trainieren. Eigentlich kann man jeden Wochentag in Pirna mindestens eine VSG-Sportgruppe finden. Wir können uns glücklich schätzen, ein so gutes Trainerteam zu haben, dass allen Gruppen ein qualifiziertes Training ermöglicht wird. Natürlich könnten wir mehr Trainer gebrauchen, gerade im Kürbereich gibt es noch Reserven. Unsere Jugendriege muss leider viel zu oft allein trainieren. Mit mehr Übungsleitern hätten wir sogar die Chance die Angebote auszubauen. Anfragen sind allemal da.
Normaler Trainingsbetriebt heißt aber auch, dass es eine Reihe von Eltern gibt, die uns aktiv unterstützen, sei es beim täglich Auf- und Abbau der Geräte oder auch bei der Ausrichtung von Wettkämpfen. Das hilft Trainingszeit zu sparen, ganz davon abgesehen, dass doch einige Geräte beim Aufbau für unsere Jüngsten zu schwer sind.

 

Sie sprechen die Verantwortung der Trainer an und häufig wird in jüngerer Zeit beklagt, dass sich immer weniger ehrenamtlich Tätige finden, solche wichtigen sozialen Aufgaben zu übernehmen. Wie stellt sich diese Problematik aktuell im VSG Pirna dar?

 

Es ist selten das Nichtwollen, solche Aufgaben zu übernehmen, sondern eher das zeitliche Budget, dem Schüler, Studenten und Berufstätige unterliegen. So haben wir viele Übungsleiter, die nur einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden als Trainer zur Verfügung stehen, weil sie es sich nicht anders einrichten können. Die Kinder trainieren aber bis zu dreimal pro Woche. Deshalb ist unser Bedarf an Trainern längst nicht gestillt. Schön wäre es, wenn noch mehr Arbeitgeber anerkennen könnten, dass es sich hier um eine wichtige gesellschaftliche Tätigkeit handelt und den Mitarbeitern ermöglichten, eine solche Aufgabe zu übernehmen. An dieser Stelle muss ich auch den jeweiligen Partner unserer Übungsleiter und Kampfrichter danken, dass sie Toleranz und Akzeptanz für die ehrenamtliche Arbeit im Verein aufbringen. Auch das ist nicht selbstverständlich und wird gern mal vergessen. Alle Engagierten erhalten bei uns die Chance sich weiter zu qualifizieren. In diesem Jahr hat eine Übungsleiterin ihren Grundlehrgang, eine weitere die Ausbildung zum Trainer C in Gymnastik/Rhythmus/Tanz absolviert. Für den Wettkampfbetrieb benötigen wir aber auch immer wieder genügend Kampfrichter. Hier haben dieses Jahr drei Jugendliche ihre Ausbildung mit Bravour absolviert und stellen eine weitere wichtige Stütze dar.
Zusätzlich zu den Gerätturnangeboten ist es uns außerdem gelungen, qualifizierte Übungsleiter für Nordic Walking und Tanz für Erwachsene zu gewinnen.

 

Aha, es gibt also neben dem Gerätturnen für Mädchen und Jungen auch noch andere Angebote im Verein, wenn ich Sie richtig verstanden habe?

 

Ja, das stimmt. Die meisten Angebote sind wettkampforientiert. Wir möchten aber mehr als das. Deshalb haben wir eine allgemeine Turngruppe für Kinder von 10 bis 13 Jahre und einige Angebote für Erwachsene. Nordic Walking und Tanz (Modern Tanz & Jazz) hatte ich ja schon genannt. Außerdem haben wir noch eine Gruppe Erwachsenenfitness. Der Spaß an der Bewegung und der Gesundheitsaspekt stehen bei diesen Angeboten im Vordergrund. Nicht umsonst heißen wir Verein für Sport und Gesundheit – ganz ohne Wettkampfambitionen.

 

Apropos Wettkampf und damit zurück zum Turnen: wie hat die Loslösung vom VfL und die damit verbundene zeitweise Verschlechterung der Trainingsbedingungen das Abschneiden der TurnerInnen bei den Wettkämpfen in der laufenden Saison beeinflusst?

 

Die Übergangsphase verlangte von allen einiges ab. Trainingszeiten und Orte änderten sich, Trainingsgeräte standen nicht mehr zur Verfügung. Wir nutzen immer wieder Lücken in verschiedenen Turnhallen, um den Trainingsbetrieb aufrecht zu erhalten. Etwas abgefedert wurden diese Probleme durch die tolle Unterstützung anderer Vereine, wie zum Beispiel den Arrows Pirna. Dass trotz dieser Probleme keiner unserer Mitglieder zurück zum VfL Pirna-Copitz gegangen ist, zeigt das große Vertrauen der Eltern in unsere Arbeit. Das Abschneiden unserer Turnerinnen hat diese wahrscheinlich nur marginal beeinflusst. Eher hatten wir Pech mit Verletzungen von aussichtsreichen Kandidaten.
Mittlerweile haben sich die meisten Probleme wie Hallenzeiten minimiert. Ein normaler und geordneter Trainingsbetrieb ist seit September wieder möglich und die im Frühjahr und Sommer verletzten Turnerinnen können wieder 100% trainieren.

 

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre Vorhaben im kommenden Jahr! (Das Interview führte Frank Höppner.)

Teil 2 des Interviews können Sie morgen hier lesen.