Aktuelle Infos


8. Februar 2014

Ulf Tippelt:“Gönnt den Athleten schöne Spiele!“

LSB-rgb-Slogan_webPressemitteilung des Landessportbundes Sachsen e.V.

Der Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen, Ulf Tippelt, hat zum Beginn der Olympischen Spiele dazu aufgerufen, den in Sotschi teilnehmenden Aktiven nicht den Druck aufzubürden, sich dort zu gesellschaftspolitischen Themen äußern zu müssen. „Gönnt den Athleten schöne Spiele!“ ist sein Gastbeitrag unter der Rubrik „Perspektiven“ in der morgen erscheinenden Sächsischen Zeitung überschrieben. Die Erwartung zu hegen, mit Veranstaltungen wie Olympischen Spielen Politik in den Ausrichterländern machen zu können, gesellschaftliche Unzulänglichkeiten nach den demokratischen Standards Mitteleuropas oder Nordamerikas zu beseitigen, sei der falsche Ansatz, so Tippelt. Das überfordere die Idee der Olympischen Spiele. Natürlich sei Sport immer mit Politik verbunden und Politik habe an den Sport auch immer Erwartungen jenseits sportlicher Ergebnisse. Der Sport solle sich seiner Wirkungen auch bewusst sein. Aber: „Muss der Sport, nur weil er diese hohe Aufmerksamkeit erzeugt, weil er Werte in sich trägt und Olympia deren Idealbild beschreibt, politische Veränderungen anstreben? Kann er überhaupt das leisten, was Politik, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, ein Heer professioneller Diplomaten oder auch die Medien über Jahre nicht erreicht haben?“, stellt Tippelt den öffentlich erzeugten Erwartungsdruck in Frage. Bei den Olympischen Spielen ginge es primär um Sport. Sie führten Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt, aus allen Kulturkreisen und politischen Systemen auf einzigartige Weise, auf engstem Raum und unter dem Gebot von Fairness und Toleranz zusammen. „So banal und idealistisch es klingen mag – die Olympischen Spiele sind für die Athletinnen und Athleten da. Ich weiß nicht, in wie vielen Interviews sowohl junge Talente als auch gestandene Spitzensportlerinnen und Spitzensportler die Teilnahme an Olympischen Spiele als den einen Grund genannt haben, weshalb sie ihr gesamtes Leben auf den Sport ausgerichtet haben, weshalb sie ihre berufliche Karriere zurückstellen und weshalb sie über viele Jahre hinweg jede Woche, jeden Tag hart trainieren. Sie haben das Recht, Olympische Spiele zu erleben, die ihnen optimale Wettkampfbedingungen und das immer wieder beschriebene olympische Flair bieten“, schreibt Tippelt. Stattdessen baue sich nach der öffentlichen Diskussion vor der Eröffnung von Sotschi fast die Erwartung auf, dass mündige Athletinnen oder Athleten sich bei ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen öffentlich zu bestimmten unzureichenden Verhältnissen im Ausrichterland äußern sollten. „Was im extremen Umkehrschluss so interpretiert werden könnte, dass Athletinnen und Athleten, die dies nicht tun, unmündig wären. Deshalb gehört es sich auch deutlich zu sagen, dass sich keine Athletin und kein Athlet zu den Umständen in Russland äußern muss, der das nicht will. Alle sollten das respektieren.“ Man könne nicht erwarten, dass die Sportler wie Diplomaten im Trainingsanzug agieren. Natürlich könne man die Vergabe der Spiele an Sotschi hinterfragen und auch diskutieren, wohin das Internationale Olympische Komitee (IOC) überhaupt Olympische Spiele vergeben und welche Standards dafür gelten sollten. Natürlich müsse ein Ausrichter auch gewährleisten, dass die Werte, für die der olympische Sport steht, bei Olympia gelebt werden können, ohne dass dem Kultur oder Gesetze entgegenstünden. Doch die Vergabe Olympischer Spiele sei immer auch eine Chance. Mit ihr sei immer auch „ein Entwicklungsschub für den Sport und die Sportinfrastruktur im jeweiligen Ausrichterland verbunden. … der Gewinn an Weltoffenheit und Vielfalt, die Olympische Spiele zwangsläufig mit sich bringen, befördert deren gesellschaftliche Entwicklungen nachhaltig.“ Dass es nach den Entscheidungen für Sotschi, Rio de Janeiro und Pyeongchang aus unterschiedlichen Gründen deutlichen Bedarf gäbe, Vergabeverfahren und Kriterien zu hinterfragen, sei offensichtlich. „Jüngsten Verlautbarungen nach wissen das auch das IOC und vor allem der neue deutsche Präsident Thomas Bach. Den Ausrichtern, der Olympischen Idee, dem Sport und vor allem den Sportlern ist zu wünschen, dass aus diesem Wissen auch Handeln resultiert“, schreibt der LSB-Generalsekretär.