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5. März 2013

Eine äußerst schmerzliche Niederlage lässt die Chancen auf den Klassenerhalt weiter sinken

IMG_1603Für die knappe Pleite im Abstiegsduell mit den Rostockerinnen konnte kein Schuldiger ausgemacht werden. Allerdings sind besonders zwei Aktionen im Spiel dafür prädestiniert. Da war zum einen die 42. Minute. Wiebke Prenzel war auf dem Weg zum Konter. Plötzlich lag sie am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Ob gewollt oder ungewollt, war ihr eine Gegenspielerin in die Quere gekommen. Die Verletzungspause endete für die Kreisspielerin auf der Trage und später im Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt zumindest bestand die Möglichkeit, erstmals auf zwei Tore davonzuziehen. Die Folge war ein unkonzentrierter Abschluss und wieder der Rostocker Ausgleich. Da schon in der Anfangsphase Anne Zimmermann – auch sie musste nach der Partie ins Krankenhaus – verletzt ausgeschieden war, bestanden auf der Bank kaum noch Alternativen. Auch die sonst kaum zum Einsatz gekommene Sophie Günther war plötzlich Stammspielerin. Trotz fehlender Spielpraxis löste sie ihre Aufgaben ordentlich.

Auch auf allen anderen lag zusätzlicher Druck zum, wie Gunter Giese beim Pressegespräch betonte „alles oder nichts“. In den ersten Minuten nach der Verletzungspause lösten das die Neustädterinnen mit weiter tollem Kampfgeist. Das folgende dreiminütige Patt beim 19:19 wurde innerhalb von fünf Minuten vom 19:20 zur Vier-Tore-Führung (24:20) gedreht. Selbst die dazwischen liegende Gäste-Auszeit änderte erst später etwas am Spielverlauf. Die Gastgeberinnen zollten ihrem kraftaufwändigen Spiel nach 50 Minuten doch deutlicher Tribut als die Gäste. Die verloren zwar in der 52. mit ihrer agilen Kreisläuferin durch Verletzung ebenso eine wichtige Personalie, aber die besseren Alternativen blieben da erhalten. Die nachlassende Konzentration beim HC Sachsen ermöglichte den Ostseestädterinnen zusätzliche Möglichkeiten im Schlussgang. Bis dahin hatten die zur Genüge ohne Konsequenzen die Reißfestigkeit der Neustädter Trikots geprüft. Rebeca Cembranos Bruzon muss das Gleiche völlig übertrieben haben. In der entscheidenden Phase musste sie nach zuvor insgesamt nur fünf zweiminütigen Bankverweisen beider Teams gleich zweimal auf die Bank. Der Strafe nach der 53. Minute folgte ihr Spielaus schon 91 Sekunden vor dem Abpfiff.

Dieser personelle Verlust war wohl dann die im Spiel zweite mitentscheidende Aktion. So fraßen die letzten gut sechs Minuten letzte Kräfte und Konzentration des HC Sachsen auf. Die Gäste freuten sich über die Fehler und nutzten sie zum Sieg. Völlig platt und niedergeschlagen haderten die Neustädter mit Glück und den entgangenen zwei Punkten. Letztlich waren in der zerfahrenen, zugegebener Maßen schwer zu leitenden Partie, viele Fehler beider Seiten zu beobachten und für den Ausgang entscheidend. Teamchef Uli Sturm hatte seinen Optimismus auch kurzzeitig verloren und wusste, was der weitere Spielerinnenausfall für den Rest der Saison bedeutet: „Am schmerzlichsten sind die beiden möglichen Kreuzbandrisse. Die Gesundheit der Spielerinnen hat oberste Priorität, deshalb mache ich mir nicht so viele Gedanken über das 27:28, wie über die Spielerinnen. Um den Klassenerhalt aus eigenen Kräften zu schaffen, dafür sind zudem nun die Chancen rapide gesunken. Nach dem 24:20 haben einige unserer Fehler Rostock wieder ins Spiel zurück gebracht. Ansonsten hat sich das Team gut geschlagen und musste eine Menge einstecken. Die Begegnung wurde durch unglückliche Entscheidungen am Ende gegen uns entschieden.“ Für das nächste Sachsenderby in Leipzig und die folgenden fünf Spiele muss sich der HC Sachsen einiges einfallen lassen, wenn der schon rechnerisch schwer machbare Nichtabstieg noch gesichert werden soll. Bei der Personalmisere muss sich möglicherweise sogar die Trainerin nochmals das Spielertrikot überstreifen, um auf der Platte zu helfen. Andere Alternativen und eigene Kräfte sind rar geworden.

HC Sachsen spielte mit: Wiekiera, Naumann; Wiele (3), Prenzel (1), Eckhardt, Günther (1), Kolewa (5/1), Möller Jensen (3), Cembranos Bruzon (5), Zimmermann und Tvrdonova (9/4).

(Eberhard Neumann)