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16. Mai 2012

Jugendbegegnung Bragin – Eine Reise zu Freunden

Schon zum fünften Mal fuhr eine Delegation der Sportjugend Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im April 2012 auf die lange Reise in die weißrussische Stadt Bragin. Der Ort liegt unweit von Tschernobyl, wo sich 1986 der Reaktorunfall ereignete. Durch dieses Ereignis ist die kleine, ruhige Stadt mit ihren umliegenden Dörfern stark geprägt. Unser Gastgeber Wolodja Korov (Leiter der Kinder- und Jugendsportschule) und unsere Dolmetscherin Heike Sabel (Verein: „Gemeinsam in die Zukunft“) begrüßten uns nach einer 27- stündigen Fahrt am Hotel.

Nach einer kurzen Begrüßungsrunde tat die Bewegung beim gemeinsamen Fußballspiel sehr gut. Wir gingen zeitig schlafen, denn am nächsten Tag waren sportliche Höchstleistungen gefordert.

Zum sogenannten „Subbotnik“ (freiwilliger Arbeitseinsatz am Samstag um die Dörfer und Städte herauszuputzen) fand der alljährliche Gedenklauf zur Erinnerung an die Katastrophe und die damit verbundenen Opfer statt. Nach der Rede der Braginer Landrätin und anschließender Schweigeminute ging es an den Start. Über knapp elf Kilometer gaben vier Sportler aus Pirna gemeinsam mit ca. 200 Läufern aus Weißrussland und der Ukraine ihr Bestes. Parallel dazu unterstützte der Rest des Teams die Braginer Mannschaft im Fußballspiel gegen ein Team aus der Ukraine.

Anschließend wurde im Wald gemütlich gegrillt und sich ausgetauscht. Am Sonntag fand ein Fußballspiel gegen Jugendliche aus Bragin statt. Das Spiel gewannen die weißrussischen Sportler nach einem packenden Elfmeterschießen. Anschließend übergab der Geschäftsführer des Kreissportbundes, Dietmar Wagner, den Braginer Sportlern Spenden hiesiger Unternehmen wie Sport Wolf Pirna und Promostick Heidenau in Form von Sportmaterial und – bekleidung für das Training und tägliche Leben. Der Rest des Tages wurde mit gemütlichem Angeln nach weißrussischer Art an einem Fluss verbracht.

Der letzte Tag begann mit der Fahrt in die Sperrzone. Über Feldwege gelangten wir zu einem Friedhof, wo die Vorbereitungen für den „Totendienstag“ im vollen Gange waren. Danach fuhren wir zum Denkmal, welches für die Opfer der Schlacht am Braginer Bogen errichtet wurde. Zum Schluss ging es in das ehemalige „Sonnenstädtchen“. Diese verlassene Stadt wird mehr und mehr von der Natur zurückerobert, alle Wohnhäuser, die Schule und das Kulturhaus verfallen langsam. Es ist Jahr für Jahr ein sehr bewegender Moment durch die Sperrzone rund um den Reaktor Tschernobyl zu gehen und an die Katastrophe im Jahre 1986 denken.

Der letzte Abend wurde traditionell bei Gastgeber Wolodja und seiner Familie verbracht. Sie luden uns zum Essen, Trinken und Tanzen zu sich in ihr kleines, aber sehr gemütliches Holzhaus, ein. Dabei konnten wir Einblicke in das einfache Leben einer typisch weißrussischen Familie erhalten.

Es war eine eindrucksvolle Erfahrung, eine so fremde und arme Kultur kennenzulernen und mit den Menschen aus der Region Bragin in Kontakt zu treten. „Sport verbindet“ – einer der Leitsätze des Deutschen Olympischen Sportbundes hat sich in den Tagen von Bragin wieder deutlich gezeigt. Die Sportjugend erwartet nun in voller Vorfreude die weißrussischen Sportler zum Gegenbesuch im Oktober zum WGP-Citylauf in Pirna. (Robert Arendt/Anne Johannsen)