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27. März 2012

Zweimal in letzter Sekunde

Pressemitteilung HC Sachsen  

Die Trainerin der SV Germania Fritzlar, Susanne Bachmann, hatte vor der Begegnung durchaus richtigbeobachtet: „Wenn sie mit Tempo kommt und frei abziehen kann, ist der Ball fast sicher drin.“ Das war ihr anlässlich der spielvorbereitenden Videoanalyse zu Melanie Baier, der wurfgewaltigen Halblinken im HC Sachsen-Rückraum, aufgefallen. Und fast so, als wollte Melanie Baier die Trainerin der Gäste aus dem Nordhessischen mit ihrer Feststellung nicht im Regen stehen lassen, kam sie denn auch 2 Sekunden vor der Schlusssirene und zündete eine unhaltbare Rakete hoch ins rechte Torwarteck zum 23:23 Ausgleich. Dann, noch während Melanie Baier von einer Traube ihrer jubelnden Mitspielerinnen erdrückt wurde, war von Bärbel Wessel und ihren Damen im weiteren ausgelassen zelebrierter Schluss in einem durchaus gutklassigen und von der Dramaturgie her wieder einmal sämtliche Nerven des treuen Publikums in Mitleidenschaft ziehenden Liga 3 Spiel. Wer am strahlenden Frühlingsnachmittag dennoch den Weg in die „factum arena“ gefunden hatte, dem war in einer leistungsgerecht unentschieden endenden Begegnung zwischen dem Tabellenzehnten und dem Tabellenzweiten Einiges geboten worden, was ein Damenhandballspiel auf diesem Leistungsniveau sehenswert macht.

Was Melanie Baier in der Schlusssekunde der zweiten Halbzeit gelang, das hatte bereits Martina Wiele ähnlich zu Ende der ersten Halbzeit vollbracht. Sie griff sich den Ball für den nach Ende der Spielzeit noch auszuführenden Freiwurf und versenkte ihn von halbrechts nicht unbedingt wie einen Strich, aber höchst kunstvoll platziert über die Fritzlaer Mauer hinweg im rechten oberen Torwarteck zum psychologisch wichtigen 12:13-Anschlusstreffer. Damit war die Bemühung der Gäste, einen zwei Tore Vorsprung mit in die Kabine zu nehmen, durchkreuzt und für die HC Sachsen-Damen eine gute Voraussetzung geschaffen, gleich nach dem Wechsel auszugleichen.

Zu Anfang der ersten Halbzeit hatten die HCS-Damen in ihrem Offensivspiel die angekündigte Taktik der Gäste, insbesondere sich der Halbpositionen des Sachsen-Rückraums anzunehmen, durch geschicktes Rotieren und In Szene Setzen von Slavka Ninkovic auf der rechten Außenposition ausgehebelt. In der Defensive wurde offensiv agiert, so dass vor allem das bekannt gefährliche Spiel der Gäste über ihre Außen Anna Miszczyj (RA) und Jana Giebisch (LA) nicht zum Zuge kam. Die fast logische Folge der damit erreichten Dominanz war eine 4:0 Führung in der 9.Minute. Doch dann zeigte die „Kirchhofer Filiale“ – eine Reihe Spielerinnen des SV Germania trug früher das Trikot des regionalen Konkurrenten -, dass sie nicht von ungefähr in der Staffel vorne mit dabei ist. Mit dem 5:3-Anschluß in der 11.Minute durch die aus dem Rückraum in die Spitze durchbrechende Spielmacherin Anne Breitschuh hatte man die Bruchstelle in der HCS-Abwehr gefunden. Noch viermal konnten die Gäste in Folge in gleicher Weise über Anne Breitschuh angetragen offensichtliche Abstimmungsprobleme der HC Sachsen-Damen in der Abwehrmitte zum schließlichen 7:7 in der 19. Minute für sich nutzen. Und mit dem 8:8-Ausgleich kam der Gast jetzt auch von außen durch. Das war Anlass genug für Bärbel Wessel zu versuchen, ihre Damen im Timeout neu aufzustellen. Bis zum 10:10 ging es jedoch erst einmal auf Augenhöhe weiter, kein Team konnte sich einen Vorteil sichern. Ausgerechnet Slavka Ninkovic, am heutigen Tag dennoch Beste des HC Sachsen, verwarf einen 7-m, worauf die Gäste, sicherer vom Strafwurfpunkt, das 10:11 folgen ließen, und ein über ein Fehlabspiel initiierter Konter brachte den Gästen mit dem 10:12 erstmals die zwei Tore Führung. Die wollten sie über die Zeit bringen, aber Martina Wiele hatte noch etwas in petto.

 

Die zweite Halbzeit war dadurch gekennzeichnet, dass beide Teams ihre relativen Stärke-und Schwächephasen meist gleichzeitig durchliefen. So gelang es keinem Team, sich vorentscheidend abzusetzen. Strukturell sehr belebend für das HCS-Spiel war die Positionierung von Slavka Ninkovic auf der Rückraumitte. So lief der Ball eindeutig schneller um und für Helena Binova wurde auch mal mehr Raum frei. Auch Gäste-Coach Susanne Bachmann attestierte, dass die heute HC Sachsen-Beste ihr Potential aus dem Rückraum heraus wesentlich besser entfalten kann als auf der Außenposition und dass ihre Damen Slavka Ninkovic so wohl nicht auf dem Plan hatten. Beidseitig gute Torhüterleistungen taten das ihre dazu, dass es zwar eine intensive Begegnung, aber kein Torfestival wurde. Nachdem die unermüdliche Marta Adamkova in der 42. Minute zum 17:16 abgeschlossen hatte, scheiterte Melanie Baier im Konter zweimal kurz hintereinander an der erfahrenen und nervenstraken Germania-Keeperin (44.), die Möglichkeit, sich abzusetzen war dahin, SV Außen Anna Misczyi egalisierte zum 17:17 (45.). Bis zum 20:20 durch Martina Wiele, die von Marta Adamkova bedient von außen einlief und in die kurze Ecke platzierte, blieb es beim Head On. Als Slavka Ninkovic in der Mitte hochsteigend zwar die Germania-Keeperin schon in die linke Ecke verladen hatte, aber haarscharf rechts vorbeiwarf und im Gegenzug erneut Misczyi auf 20:22 (53.) erhöhte schien sich das Spiel zu Gunsten der Gäste zu wenden. Zwei Tore vorne für die Gäste waren es auch noch in der 57. Minute (21:23). Doch eine abfangende offensive Abwehr und im Angriff zuerst Slavka Ninkovic, die mit dem 22:23 ihren zehnten Treffer markierte, und dann Melanie Baier mit dem Golden Goal sorgten dafür, dass eine engagierte Teamleistung mit einem nicht unbedingt erwarteten, aber hoch verdienten Punkt belohnt wurde.

Während Bärbel Wessel angesichts allbekannter widriger Kaderumstände mit dem Spielausgang höchst zufrieden war und man auf HC Sachsen-Seite mit einem stimulierenden Erfolgserlebnis in die Osterpause gehen kann, war Germania-Coach Susanne Bachmann natürlich eher etwas vergnatzt. Den Fahrplan nämlich, den man sich für dieses Spiel zurecht gelegt hatte, hatten ihre Damen nur zum Teil umsetzen können. Vor allem Slavka Ninkovic hatte einen dicken Strich durch das taktische Kalkül, das man in Fritzlar angestellt hatte, gemacht. Und auch von ihren gefährlichen Außen hatte Bachmann sicher mehr erwartet. Aber so ist es eben: die eigene Taktik geht immer nur soweit auf, wie sie der Gegner auch zulässt. Und der muss ja auch nicht immer genau das machen, wie man ihn sich taktisch zurechtgelegt hat.

Die Gelegenheit, den ersten Heimsieg im neuen Jahr zu erringen, wird es für die HCS-Damen am Wochenende 21./22.04.2012 geben. Da steht der Doppelpack mit dem SHV Oschatz auf dem Programm. Im Ligaspiel trifft man am Samstag in der „factum arena“ aufeinander, am Sonntag in Döbeln im HVS-Pokalfinale.

 

Der HC Sachsen spielte mit: Anne Naumann, Katarzyna Wiekiera (beide Tor), Martina Wiele 2, Marta Adamkova 2, Helena Binova 3, Nicole Eckhardt, Slavka Ninkovic 10/1, Jenny Kolewa 1, Melanie Baier 5/1, Ilona Köhler

 

Das Spiel im Zeitraffer: 2:0 (3.), 5:1 (10.), 6:4 (15.), 8:8 (20.), 10:10 (25.), 12:13 (30.), 15:14 (36.), 16:16 (40.),17:17 (45.), 19:19 (50.), 20:22 (53.), 21:23 (57.), 23:23 (60.)