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14. Februar 2012

HCS verschenkt zu Hause einen Punkt

Pressemitteilung des HCS Neustadt-Sebnitz e.V.

 

Der Anschlusstreffer von Slavka Ninkovic 15 Sekunden vor der Schlusssirene kam zu spät. Mit 29:30 (17:15) unterlag die F1 des HC Sachsen der Bundesligareserve des Thüringer HC in einer kampfbetonten und über 60 Minuten spannenden Begegnung, die keinen Sieger verdient gehabt hätte. Denn nachdem die in der Anfangsphase offensiv situativ einfach wacheren Gäste den zur Mitte der ersten Halbzeit herausgeworfenen 4 Tore-Vorsprung (7:11) nicht ausbauen und wieder abgeben mussten, versäumten ihrerseits die Gastgebernach der 20:16 Führung in der 34. Minute, eine Vorentscheidung herbei zu führen und gerieten ab der 45. Minute (23:24) selbst wieder in Zugzwang. So ging es auf Augenhöhe mit 27:27 in die letzten acht Minuten. In diesen waren es nicht die routinierteren HC Sachsen-Damen, die die Big-Points machten. Während sich unverkennbar Nervosität, damit Hudelei und Unkonzentriertheit in das Positionsspiel und den Wurfabschluss der Wessel-Damen einschlichen, behielten die Youngsters des amtierenden Frauenhandballdoppelmeisters dagegen recht kühlen Kopf. Bis dahin durch den Gastgeber nicht eröffnete Konterchancen, ein elegant frecher Hüftwurf und einfach mal aus dem Rückraum ins obere Dreieck draufgehalten, wenn der Gegner schon die Hände nicht hochkriegt – das war`s zum 28:30 in der 59. Minute. Danach ließen die Gäste im Ballbesitz schon mal das Wurfgerät einfach zu Boden fallen, was ja wertvolle Sekunden brachte, Melanie Baier rasierte mit einem Distanzwurf nur den Außenpfosten und die Zeit verstrich unerbittlich.

 

Leidige Kadersituation, klar, seit Wochen am Anschlag muss das Trainergespann des HC Sachsen improvisieren und die Rekonvaleszenten sind natürlich auch noch nicht bei 100 %. Zwar konnte gegen den THC eine wiedergenesene Marta Adamkova auflaufen und mit ihrer Einwechslung ab der 15. Minute bzw. nach dem 7:10 das Defensivspiel merklich stärken, aber für die fehlende Stammaußen Petra Janeckova musste Ilona Köhler aus der zweiten Mannschaft auf die Bank nachrücken und Goalie Katarzyna Wiekiera sollte aufgrund einer Achillessehnenreizung nur im äußersten Notfall eingesetzt werden. Doch nicht nur Bärbel Wessel hatte arge Personalprobleme. Gästecoach Frank Puttfarken musste auf 3 Stammspielerinnen verzichten, darunter die Top-Goalgetterin und Rückraum-Mastermind Nadja Bolze, und brachte ebenfalls nur 10 Aktricen, davon 5 des Jahrgangs 1994/1995 mit nach Neustadt. Von daher hätte er, wie er auf der anschließenden Talkrunde erklärte, vor dem Spiel nach den Aussichten seines Teams befragt, eher abgewunken.

Dabei war bei den Thüringerinnen aber auch mit der Nr. 15 Ulrike Jahn, die in der Anfangsphase im Rückraumund als Goalgetterin, aus dem Feld oder vom 7-m-Punkt, die Akzente im Spiel der Gäste setzte und die von den Sachsen erst nach einer Viertelstunde durch Spezialobservation von Slavka Ninkovic besser in den Griffgebracht werden konnte. Und überraschend war auch, wie körperbetont bis zur Grenzwertigkeit die Thüringer Youngster durchweg zu Werke gingen (und unter einer des öfteren auffallend asysmmetrisch entscheidenden Spielleitung gehen durften). Diese aggressive Gangart – wenn Melanie Baier minutenlang am Boden liegen bleiben muss war das keine Streicheleinheit, die da verteilt wurde -bereitete den Einheimischen einige Probleme, zumal diese oder jene Verletzung gerade erst auskuriert ist. Ab der 20. Minute schien das HC Sachsen-Team aber seine Linie gefunden zu haben, holte das 7:11 sukzessive auf und legte zur 17:15 Halbzeitführung vor, wobei es dabei einige kreative Kombinationen und flexibles Positionsspiel zu sehen gab, womit die Thüringer Abwehr insbesondere dann mit sicherem Torabschluss von außen auseinandergespielt wurde. Den fürs Auge schönsten Treffer in dieser deutlich dominierten Phase markierten Marta Adamkova und Jenny Kolewa im reaktionsschnellen Doppelpass zum 17:15.

 

Nach dem Wechsel schien Bärbel Wessels Team an die Überlegenheit vor der Halbzeit nahtlos anzuschließen, wiederum ein kurzes Zusammenspiel zwischen Marta Adamkova und Jenny Kolewa bedeutete die 20:16 Führung. Abspiel-und Abschlussfehler und eine zweifache Unterzahlsituation brachten die Gastgeber dann aber aus dem Rhythmus und die Gäste wieder ins Spiel zurück, in der 41. Minute war mit dem 22:22 wieder alles offen. Es entwickelte sich nun ein intensives Armdrücken über 24:24 in der 46. und 27:27 in der 51. Minute und die Spannung in der „factum arena“ erreichte wieder Starkstromwerte. Zwar verhinderte HCS-Goalie Anne Naumann, vorher bei einigen Aktionen von ihrer Abwehr im Stich gelassen und deshalb des öfteren „auf dem falschen Fuß erwischt“, mit spektakulärer Doppelparade bei einem Thüringer Konterlauf zunächst die erneute Gästeführung, aber ein schlecht angetragener Abschlussund ein hudeliges Fehlabspiel ermöglichten jeweils im Gegenzug dann doch die erneute Thüringer 2-Tore Führung zum 27:29 (56.). Bärbel Wessel rief daraufhin ihre Damen zur Beratung zusammen, ein letzter Versuch von der Bank aus, das Spiel noch mal zu drehen. Marta Adamkova markierte auch prompt das 28:29 (57.). Anlass wiederum für THC-Coach Frank Puttfarken, nun seinerseits eine Stammessitzung einzuberufen. Erneut eine Glanzparadevon Anne Naumann und eine 2-Minuten Strafe für die den daraus resultierenden Konteransatz mit einem taktischen Faul zupackend unterbindende Ulrike Jahn hätten nun eigentlich die Voraussetzung dafür sein müssen, dass die Gastgeber die Sache für sich klarzumachen. Doch ausgerechnet Slavka Ninkovic, heute Beste im HCS-Team, scheiterte an der 18-Jährigen THC-Keeperin und im Gegenzug konnte Mareike Blase ungehindert aus dem Rückraum zum 28:30 draufhalten (59.). In eigener Überzahl war das natürlich die Höchststrafe für die Sächsinnen.

Versucht haben sie es dann noch bis zum Schluss und vom Engagement her gab`s über 60 Minuten überhaupt nichts zu mäkeln – aber die Thüringer Youngsters waren in der Schlussphase, man muss es wohl so sagen, eine Spur cleverer als die Routiniers. Die Gelegenheit, gegen einen ebenfalls dezimierten Tabellenzweiten „so einfach“ zu punkten, wie dies am heutigen Sonntag möglich gewesen wäre, werden die HC Sachsen-Damenwahrscheinlich so schnell nicht noch einmal bekommen. Im Vorrundennachholspiel, zu dem beide Teams sich am kommenden Samstag in der Salza-Halle in Bad Langensalza bereits wieder treffen, dürfte nämlich eine personell anders besetzte THC-Reserve auflaufen. Aber Bange machen gilt nicht. Wäre doch ein weiteres Kuriosum dieser an Merkwürdigkeiten schon wahrlich nicht armen Saison, wenn die Rückspiel-Revanche für das verlorene Hinrunden-Spiel bereits vor diesem genommen worden wäre. Zu verlieren gibt´s für Bärbel Wessel und ihr Team als nunmehr krasse Außenseiter jedenfalls nichts…